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Hnefatafl jako bitevní simulátor – Projekt Forlǫg

Informationen
Untertyp
Online-Artikel
Autor
Tomáš Vlasatý
Erscheinungsjahr
2014
Sprache
Tschechisch
Publikation
Projekt Forlǫg (sagy.vikingove.cz)
DOI
10.59500/forlog
ISSN
2788-3000
URL
sagy.vikingove.cz/hnefatafl-jako-bitevni-simulator

Hnefatafl jako bitevní simulátor – Projekt Forlǫg

Der Artikel liegt nur auf Tschechisch vor (deutsch etwa: „Hnefatafl als Schlachtsimulator"); eine englische Fassung existiert auf der Seite nicht.

Quellenübersicht

Dieser Artikel von Tomáš Vlasatý (veröffentlicht 24. Juli 2014) deutet das altnordische Brettspiel Hnefatafl als Schlachtsimulator der Wikingerzeit: Das Spiel — ein König mit zahlenmäßig unterlegener Verteidigerschar gegen doppelt so viele Angreifer — spiegele die Endphase realer Schlachten wider, konkret den Angriff auf eine Schildwall-Formation (skjaldborg), bei dem die Angreifer den Herrscher fassen wollen, während dieser mit Hilfe seines Gefolges entkommen muss. Nach Vlasatý diente das Spiel jungen Aristokraten und künftigen Berufskriegern als Strategie-Schulung. Belegt wird die Deutung mit archäologischen Funden (u. a. Birka, Gokstad) und Schriftquellen (u. a. Hervarar saga, Járnsíða, Ockelbo-Runenstein Gs 19).

Inhalt

Autor: Tomáš Vlasatý | 2014 (24. Juli) | Projekt Forlǫg (sagy.vikingove.cz)

DOI: https://doi.org/10.59500/forlog | ISSN: 2788-3000

Kernaussagen (nach Vlasatý)

  • Spielaufbau: übliche Brettgrößen 11×11 Felder (12 Verteidiger + 1 König gegen 24 Angreifer) oder 13×13 Felder (16 Verteidiger + 1 König gegen 32 Angreifer) — die Verteidiger sind konstant 1:2 unterlegen.
  • Ziel des Königs ist die Flucht (Erreichen des Brettrands), nicht der Kampf; die Verteidiger beginnen in einer Formation, die einer skjaldborg (Schildwall) ähnelt. Zum Schlagen des Königs sind vier gegnerische Steine nötig — ein Ausgleich für die zahlenmäßige Unterlegenheit.
  • Deutung: Das Spiel simuliere den kritischen Moment einer Schlacht — den Angriff auf den Schildwall und die Gefangennahme bzw. Flucht des Herrschers; das Verhältnis 2:1 spiegele laut Autor teilweise die Realität wikingerzeitlicher Kriegsführung mit zahlenmäßig kleinen Gefolgschaften wider.
  • Sozialer Kontext: Spielsteine waren teure Prestigeobjekte, vor allem im Besitz von Kriegern und Eliten; Brettspiele wurden prestigeträchtigen Gräbern beigegeben. Die Originalregeln sind nicht überliefert und werden aus Schrift- und Sachquellen rekonstruiert.

Fund- und Quellenangaben (nach Vlasatý)

  • Birka, Schweden, Grab 523: seltene Frauenbestattung mit Spielsteinen (reiche Ausstattung).
  • Birka, Grab 624: markante Königsfigur.
  • Gokstad, Norwegen: doppelseitiges Spielbrett — eine Seite Hnefatafl, eine Seite Mühlespiel.
  • Materialien der Spielsteine: Glas, Holz, Geweih, Knochen oder Walross-Elfenbein.
  • Hervarar saga ok Heiðreks (Heiðreks Rätsel): bestätigt dunkle Verteidiger, die einen unbewaffneten König gegen helle Angreifer schützen; der König wird als dróttinn (Herr) bezeichnet, seine Verteidiger als seine drótt (Gefolgschaft).
  • Járnsíða (norwegisch-isländisches Gesetzbuch, ca. 1271–1281), Abschnitt 130: verbietet, Besitz „beim Tafl oder beim Würfelspiel" zu verwetten — Hinweis auf Spiel um echte Einsätze.
  • Ockelbo-Runenstein (Gs 19): bildliche Darstellung von Brettspielern.
  • Weitere herangezogene Schriftquellen: Króka-Refs saga sowie eddische Dichtung (Rígsþula, Vǫluspá).

Bibliografie (über Vlasatý zitiert)

  • Arwidsson, Greta (1954), „Spielbrett und Spielsteine", in: Valsgärde 8, Uppsala
  • Cleasby, Richard – Vigfússon, Gudbrand (1874), Icelandic-English Dictionary, Toronto
  • Graham-Campbell, James (1980), Viking Artefacts, London
  • Grieg, Sigurd (1947), „Brettspill", in: Gjermundbufunnet, Oslo
  • Helmfrid, Sten (2005), Hnefatafl: The Strategic Board Game of the Vikings
  • Lindquist, Malin (1984), „Spielsteine, Würfel und Spielbretter", in: Birka II:1, Stockholm
  • Starý, Jiří et al. (2014), Eddica minora, Praha
  • Whittaker, Helène (2006), „Game-Boards and Gaming-Pieces in the Northern European Iron Age", Nordlit 20, Tromsø
  • Edda-Übersetzungen von Ladislav Heger (Praha 1962); Króka-Refs saga (online)

Behandelte Fundorte