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Dimensions of Continental and Scandinavian shield-bosses – Projekt Forlǫg

Informationen
Untertyp
Online-Artikel
Autor
Tomáš Vlasatý
Erscheinungsjahr
2021
Sprache
Englisch
Publikation
Projekt Forlǫg (sagy.vikingove.cz)
DOI
10.59500/forlog
ISSN
2788-3000
URL
sagy.vikingove.cz/en/dimensions-of-continental-and-scandinavian-shield-bosses

Dimensions of Continental and Scandinavian shield-bosses – Projekt Forlǫg

Quellenübersicht

Dieser Artikel von Tomáš Vlasatý untersucht die archäologischen Dimensionen skandinavischer und kontinentaler Schildbuckel des 9. bis 11. Jahrhunderts, um historische Standards für die moderne Rekonstruktion zu etablieren. Durch die Analyse von über 55 Fundstücken aus bedeutenden Stätten wie Haithabu und Birka stellt der Autor fest, dass authentische Buckel oft überraschend klein und leicht waren, wobei der Durchmesser meist zwischen 13 und 15 Zentimetern lag. Die Untersuchung betont, dass die Größe dieser Metallkomponenten nicht proportional zur Schildfläche, sondern zur Breite der menschlichen Hand gewählt wurde, um eine optimale Handhabung im Kampf zu gewährleisten. Neben detaillierten Katalogen bietet der Text praktische Handlungsempfehlungen für Reenactor, die vor überdimensionierten modernen Nachbildungen warnen und stattdessen eine passgenaue Fertigung nach historischen Vorbildern fordern.

Inhalt

Autor: Tomáš Vlasatý | Oktober 2021 | Projekt Forlǫg (sagy.vikingove.cz)

DOI: https://doi.org/10.59500/forlog | ISSN: 2788-3000

Einleitung

Während Schwerter und ihre Maße in der Forschung viel Aufmerksamkeit erhalten, werden Schilde vernachlässigt — trotz vergleichbarer Bedeutung. Die Produktion erforderte Dutzende Stunden Vorbereitung hochwertiger Rohmaterialien. Der Artikel analysiert über 55 Schildbuckel des 9.–11. Jahrhunderts mit dem Ziel, typische Maße für Reenactor und Hersteller zu ermitteln.

Geografischer Fokus: Skandinavien und Kontinent. Britische Inseln haben eine eigene Entwicklungslinie und sind nicht einbezogen.

Typologiesystem: Rygh R562, R563, R564, R565

Fundortkatalog (Auswahl)

Deutschland — Haithabu (Kammergräber I, V, VI, VII, VIII, X, Bootkammergrab)

Grab Typus Höhe ges. Ø mit Flansch Ø ohne Flansch
Kammergrab I R564 8,0 cm 16,0 cm 11,3 cm
Kammergrab V R564 7,1 cm 15,0 cm 11,3 cm
Kammergrab VI R564 6,8 cm 14,5 cm 10,9 cm
Kammergrab VII R564 8,2 cm 13,0 cm 10,6 cm
Kammergrab VIII R564 8,3 cm 16,1 cm 11,8 cm
Kammergrab X R562 5,2 cm 12,3 cm 9,5 cm
Bootkammergrab (1) R564 5,2–5,7 cm 14,0 cm 11,0 cm
Bootkammergrab (2) R564 6,5–7,0 cm 13,5 cm 9,5 cm
Bootkammergrab (3) R564 7,3–8,6 cm 14,9–15,0 cm 11,0–12,0 cm
Bootkammergrab (4) R564 7,5 cm 15,3–16,3 cm 11,7–12,7 cm

Schweden — Birka (Auswahl)

Grab Typus Höhe ges. Ø mit Flansch
Bj 581 (1) R562 6,0 cm 13,5 cm
Bj 581 (2) R562 6,0 cm 15,5 cm
Bj 628 R564 5,5 cm 16,0 cm
Bj 798 (1) R564 8,0 cm 15,5 cm
Bj 798 (2) R564 10,0 cm 17,0 cm
Bj 644 R563 6,0 cm 15,5 cm
Bj 914 R563 12–13 cm

Norwegen

Fundort Typus Ø mit Flansch
Gjermundbu R562 13,7 cm
Kolkjøn 15,1 cm
Skjefte R564 15,3 cm
Kyrkhus R562 14,2 cm

Frankreich — Île de Groix (3 Exemplare): Ø mit Flansch 17,0–17,5 cm — größte bekannte kontinentale Exemplare.

Osteuropa — Gnězdovo (RUS): 9 bekannte R562-Buckel, Ø 13,7–16,0 cm, Höhe 6,2–8,0 cm.

Auswertung und Maßstatistik

Mittlere Werte nach Jonsson (über 40 Exemplare je Typ):

Typus Ø Durchschnitt Ø Median
R565 14,1 cm 13,9 cm
R564 14,7 cm 14,8 cm
R562 14,4 cm 14,6 cm

Größte bekannte Exemplare: Millhill (21,4 cm, Flanschbreite 10 cm) — Ausnahmefall. L'Île de Groix (19 cm). Normalmaß überschreitet selten 17 cm.

Frühmittelalterliche Buckel überschreiten selten 21,5 cm Gesamtdurchmesser.

Konstruktionsdetails

  • Material: Schmelzergebnis aus ~40 kg Mooreisenerz → 4,5 kg Luppe → 1,5 kg Ingot → fertiger Buckel (~0,28–0,33 kg)
  • Wandstärke: ca. 0,3–0,4 cm (Flansch), 0,6–0,7 cm (Kuppel)
  • Massenverteilung: Dickste Stelle an der Kuppe, nach außen abnehmend → verbessert Schildkontrolle
  • Manche Buckel sind oval (z. B. Birka Bj 944: 13,5 × 15 cm) — Anpassung an die Faustform

Öffnung des Trelleborg-Schildes (persönliche Mitteilung Rolf Warming): 9,1 × 10,5 cm oval.

Kein Verhältnis zwischen Schilddurchmesser und Buckelgröße: Schildgröße richtet sich nach Körpergröße (ca. halbe Körperhöhe ±6 cm), Buckelgröße nach Handbreite.

Empfehlungen für Reenactor

  • Innenmaß der Kuppel: ca. Handbreite + 2 cm (z. B. Handbreite 9,5 cm → Innenmaß 11,5 cm)
  • Gesamtdurchmesser: 13–15 cm als historisch korrekte Norm
  • Heutige Massenware (Etsy, Drakkaria) zeigt häufig überdimensionierte Buckel (>20 cm) — nicht historisch
  • Nietzahl: gerade Anzahl = symmetrische Griffplatzierung (zwei Greifrichtungen möglich); ungerade = asymmetrischer Griff (nur eine Greifrichtung)

Bibliografie (Auswahl)

  • Arbman, Holger (1940–1943). Birka I. Die Gräber, Stockholm.
  • Arents, Ute – Eisenschmidt, Silke (2010). Die Gräber von Haithabu, Neumünster.
  • Hjardar, Kim – Vike, Vegard (2011). Vikinger i krig, Oslo.
  • Jonsson, Martin (2011). Vikingatidens Sköldbucklor. En studie av Ryghs typ 565, Stockholm (Universitätsarbeit).
  • Petersen, Jan (1919). De Norske Vikingesverd, Kristiania.
  • Warming, R. F. et al. (2020). Shields and hide. In: Germania, 97, 154–225.