Zum Inhalt

Die Kinzig. Alte und neue Erklärungsansätze für die Herkunft des Namens Kinzig im Kontext der südwestdeutschen Besiedelungsgeschichte

Informationen
Autor
Helmut Horn
Erscheinungsjahr
2020
Dateidatum
2020-10-06
Sprache
Deutsch
Quelle
Die Ortenau, 90. Jahresband (2010), S. 289 ff. (Erstveröffentlichung)
URL
www.geschichte-schiltach.de/files/2014-12-22_Helmut_Horn_Die_Kinzig_2014.pdf
Anmerkung
Vorliegende Fassung: „Korrektur der erweiterten Version 2014, Stand August 2020" (173 Seiten); die URL liefert genau diese Fassung, trotz „2014" im Dateinamen. THEMA: Ortsnamenkunde/Etymologie des Flussnamens Kinzig — NICHT Flussarchäologie.

Horn behandelt Ortsnamenkunde/Etymologie, nicht Flussarchäologie: Es geht um die Herkunft des Namens der Kinzig (Schwarzwald-Fluss, mündet bei Kehl in den Rhein) und einer ganzen Gruppe gleich- oder ähnlich lautender Gewässer- und Flurnamen (hessische Kinzig, Kinz, Pfinz, die Breisgauer „Kinzgen/Chinzge" für schluchtartige Hohlwege im Löß). Ausgangspunkt ist die Kritik an der in Publikationen und im Internet verbreiteten Übersetzung „Weg": Sie sei falsch — auch dann, wenn der Name keltischen Ursprungs sein sollte.

Der Aufsatz referiert zunächst die bisherigen Deutungen (u. a. Bach, Bahlow „Sumpf-/Schilfwasser", Boesch und Post: kelt. *qwentika = Geländeeinschnitt/Schlucht, Greule: urkelt. *kwnt- über mittelirisch céte „Wiese, Weg" und kymrisch pant „Tal"). Die „Weg"-Bedeutung führt Horn auf einen Übertragungsfehler zurück: Das von Greule (nach Pokorny) zitierte mittelirische céte „Weg" sei lexikalisch nicht nachweisbar (so der Keltologe Stefan Zimmer, Bonn, den Horn konsultierte); tatsächlich belegt ist céite „Höhe, Anhöhe". Theodora Geiger — von Greule als Kronzeugin für eine keltische Herkunft zitiert — habe die keltische Genese selbst in Frage gestellt und den Namen der alteuropäischen Hydronymie, also vorkeltischer Zeit, zugeordnet.

Als neuen Ansatz stellt Horn — gestützt auf archäogenetische Studien zur Besiedlungsgeschichte des Oberrheingebiets (Jäger-und-Sammler-, anatolische und Steppen-Komponenten; Haplogruppe I2a) — die Hypothese eines präindoeuropäischen (protobaskisch/vaskonischen) Ursprungs auf: baskisch gain = „Gipfel/oben" plus Suffix -tik („von … her") ergäbe *K/G/Qu(a)intika = „das, was von den Höhen herab kommt". Damit ließe sich zugleich erklären, warum die protokeltische Wurzel einmal „Höhe" (irisch céite), einmal „Tal/Fluss" (walisisch pant) bedeutet. Als dritte Deutung bietet er das walisische pant-teg („fair hollow", Ortsname Panteg/Wales) an → „schönes Tal".

Ergebnis: Gesichert ist für Horn nur die Widerlegung der „Weg"-Deutung. Die präindoeuropäische Herleitung bleibt nach eigener Aussage „immer nur eine neue These neben der protokeltischen", da ein direkter Beweis mangels Schriftzeugnissen nicht zu erbringen ist; persönlich favorisiert er im Fazit die walisische Lesart „schönes Tal". Neu sei vor allem die Indizienkette aus Archäologie, Archäogenetik und Linguistik sowie die Heranziehung baskischer Suffixdeklination zur Deutung alteuropäischer Gewässernamen.

Die vorliegende Fassung ist die auf über 165 Seiten erweiterte Version (Stand August 2020) des 12-seitigen Erstbeitrags von 2010; der Autor merkt selbst an, dass der Kinzig-Name darin „quantitativ nur noch Nebensache" ist — den Schwerpunkt bildet die prähistorische Besiedlungs- und Genetikgeschichte Südwestdeutschlands vom Paläolithikum bis zur Latènezeit.

Relevanz für das Reenactment

Für Wikingerzeit-Reenactment ohne Relevanz: Der Aufsatz endet zeitlich mit der Hallstatt-/Latènezeit und behandelt Namenkunde, Archäogenetik und prähistorische Kulturen Südwestdeutschlands — keine Sachkultur, keine Funde, kein Bezug zum Frühmittelalter oder zum nordischen Raum. Im Archiv nur als Beispiel für den Umgang mit umstrittenen Namensdeutungen von Interesse.

  • Online-Fassung (PDF): http://www.geschichte-schiltach.de/files/2014-12-22_Helmut_Horn_Die_Kinzig_2014.pdf
  • Zitierhinweis des Autors: http://www.geschichte-schiltach-schenkenzell.de
  • Erstveröffentlichung: „Die Ortenau", 90. Jahresband 2010, S. 289 ff.
  • Lizenz laut PDF: © Helmut Horn, Schiltach, 2020 — Open Access („unrestricted use, distribution, and reproduction in any medium, provided the original author and source are credited")