Pokrývky hlavy v době vikinské (Viking Age Headcoverings) – Projekt Forlǫg¶
Informationen
- Untertyp
- Online-Artikel
- Autor
- Tomáš Vlasatý (mit übersetztem Kapitel von Thor Ewing)
- Erscheinungsjahr
- 2014
- Sprache
- Tschechisch
- Publikation
- Projekt Forlǫg (sagy.vikingove.cz)
- DOI
- 10.59500/forlog
- ISSN
- 2788-3000
- URL
- sagy.vikingove.cz/pokryvky-hlavy-v-dobe-vikinske
Pokrývky hlavy v době vikinské – Projekt Forlǫg
Sprach- und Autorenlage
Der Beitrag (18. Juni 2014) ist tschechisch; die englische Sitemap des Projekts führt ihn unter dem übersetzten Titel „Viking Age Headcoverings". Er besteht aus Vlasatýs tschechischer Übersetzung des Kopfbedeckungs-Kapitels aus Thor Ewing, Viking Clothing (S. 52–55 und 117–121; als PDF auf der Artikelseite) sowie einem eigenen kritischen Kommentar Vlasatýs.
Quellenübersicht¶
Der Beitrag erschließt wikingerzeitliche Kopfbedeckungen nach Thor Ewing: bei den Frauen die aus der Rígsþula und den Sagas bekannten Typen faldr und sveigr — der faldr belegt durch Haubenfunde aus York, Lincoln und Dublin (Seiden-/Wollstreifen von ca. 17–18 cm Breite und 48–60 cm Länge, gefaltet und einseitig zusammengenäht, mit ca. 15 cm langen Bindebändern), der sveigr wohl ein um den Kopf gewundenes Tuch — dazu Stirnbänder aus den Birka-Gräbern Bj 571 und Bj 707 (und acht weiteren). Bei den Männern dominieren konische Mützen (hattr/húfa), belegt durch gotländische Bildsteine (Lärbro Tängelgårde, Sandy), Statuetten (Akureyri, Rällinge), Ledermützen aus Mooren (Tollund, Søgårds Mose, Bernuthsfeld) sowie über zwölf Birka-Männergräber mit Gold-/Silberapplikationen an der Stirn, darunter die silberverzierten Seidenmützen aus Bj 581 und Bj 644 (Granulation deutet auf Kiewer Herkunft). Vlasatý ergänzt eine eigene Deutung der Begriffe hattr/húfa, verweist auf die vom Autor übergangene Skjoldehamn-Kapuze und auf brokatierte Stirnbänder (hlað) für Männer wie Frauen.
Inhalt¶
Autor: Tomáš Vlasatý; übersetztes Kapitel von Thor Ewing (Viking Clothing, S. 52–55, 117–121) | 18. Juni 2014 | Projekt Forlǫg (sagy.vikingove.cz)
DOI: https://doi.org/10.59500/forlog | ISSN: 2788-3000
Frauen-Kopfbedeckungen (nach Ewing)¶
- faldr („Falte") — passt zu den Hauben aus dem wikingerzeitlichen York, Lincoln und Dublin: Streifen aus Seide oder Wolle, ca. 17–18 cm breit, 48–60 cm lang, in der Mitte gefaltet und an einer Seite längs vernäht, an den Ecken ca. 15 cm lange Bindebänder (unter dem Kinn oder am Hinterkopf gebunden). Englische Stücke mit abgeschnittener, abgerundeter Spitze; irische mit abgesteppter, nicht beschnittener Spitze. In Skandinavien selbst bislang kein Fund dieser Form (Ewing deutet die Tracht der Móðir der Rígsþula daher als koloniale Mode); Saga-Belege (Njáls saga Kap. 129, Orkneyinga saga Kap. 81) sprechen dafür, dass faldr auch ein ungenähtes Tuch sein konnte — faldr und sveigr also eher Trageweisen als feste Typen.
- sveigr — von sveigja „biegen"; nach den literarischen Belegen ein (schmales) um den Kopf gewundenes und hinten oder seitlich befestigtes Tuch; große Exemplare in den Sagas (höfuð-dúkr von 20 Ellen in der Gísla saga; „en sveigr mikill" der Guðrún in der Laxdæla saga).
- Material: Leinen und Wolle; Seide (in Funden der Britischen Inseln) galt als sehr kostbar.
- Stirnbänder: Reste in den Birka-Gräbern Bj 571 und Bj 707 (beide ohne Ovalfibeln) sowie in acht weiteren Gräbern mit Ovalfibeln; Trageweise wie bei den Frauendarstellungen auf dem Oseberg-Wagen und der Statuette von Kinsta (Haarknoten mit Band über der Stirn).
Männer-Kopfbedeckungen (nach Ewing)¶
- Typisch konische Mützen: gotländische Bildsteine (v. a. Lärbro Tängelgårde und Sandy), Bronzestatuetten von Akureyri (Þórr) und Rällinge (Freyr), anglo-skandinavische Ritzungen aus Middleton und Kirklevington.
- Ledermützen aus Moorfunden: Tollund (frühe Eisenzeit), Søgårds Mose (zweiteilig, der Mütze der Þórr-Statuette auffallend ähnlich), Bernuthsfeld (eng anliegende Kappe, vendel-/wikingerzeitlich).
- Birka: In über zwölf Männergräbern Gold- oder Silberapplikationen im Stirnbereich, teils mit Seidenresten (Rekonstruktion als spitze oder halbrunde Mützen); Grab Bj 944 mit Posament über einer Stoffnaht; die silbernen Zierden aus Bj 581 und Bj 644 stammten von spitzen, wohl seidenen Mützen mit hängenden Schnüren — die Granulation deutet auf Herkunft aus dem Kiewer Raum.
- Schriftquellen: Ḥudūd al-ʿĀlam (10. Jh.) über die Rus („Wollmützen mit im Nacken herabhängendem Ende"); Ibn Fadlans „qalansuwwah" aus Seide und Zobelpelz; „gerzkr hattr" (Russenmütze) als königliches Geschenk in Njáls saga (Kap. 31) und Ljósvetninga saga (Kap. 2); lín-húfa (Leinenmütze) in Njáls saga Kap. 124; koll-húfa als eng anliegende, schlichte Kappe.
- Kapuzen: hattr/höttr teils austauschbar; síðr höttr („tiefe Kapuze") in den Sagas zum Verbergen der Identität. Lederkapuze aus Krogens Mølle Mose (Datierung umstritten) und Kinderkapuze aus St Andrew's, Orkney (späte Eisenzeit, wikingisch oder piktisch möglich) — beide ohne Zipfel. Häggs Deutung des Haithabu-Fragments S3 als Zipfelkapuze (Liripipe) hält Ewing für unwahrscheinlich.
Kommentar Vlasatýs¶
- hattr = stehende höhere (konische) oder niedrigere Mütze, möglicherweise aus vier Dreiecken gefertigt — Parallele zur Spangenhelm-Konstruktion; die Verwendung von hattr in Helm-Kenningar deutet Vlasatý als Umschreibung aufgrund ähnlicher Konstruktion.
- húfa = konische Mütze, möglicherweise aus zwei langen Dreiecken, mit auf Rücken oder Schulter herabhängender Spitze (vgl. Birka-Gräber und Ḥudūd al-ʿĀlam). Die Saga-Literatur nutzt die Begriffe allerdings weniger strikt als die Skaldik (kollhattr = kollhúfa).
- Runenstein DR 282 und die Jómsvíkinga saga (Jarl Strút-Haraldr, „strútr" — wohl ein silberner Konus samt Zier im Wert von zehn Mark Gold) zeigen, dass ein Metallkonus auch auf einem hattr sitzen konnte; aufwendige Mützen waren mit Pelz verbrämt (Ibn Fadlan, Risala §89).
- Kritik: Ewing übergeht bei den Kapuzen den Fund von Skjoldehamn — den einzigen erhaltenen wikingerzeitlichen Kapuzenfund, wegen seines einfachen Schnitts ideal für Rekonstruktionen.
- Zu den Frauenhauben ergänzt Vlasatý die Monografie Heckett 2003 (Viking Age Headcoverings from Dublin).
- Stirnbänder (hlað): brokatiert aus Seide (Kette) und Silber-/Golddraht (Schuss), von Frauen und Männern getragen — archäologisch (Birka) wie schriftlich (Vellekla, Njáls saga) belegt; nach Grab Bj 946 waren an Frauen-Stirnbändern wohl Seidenschleier oder -hauben befestigt.
Bibliografie (über Vlasatý zitiert)¶
- Ewing, Thor. Viking Clothing, S. 52–55, 117–121 (Grundlage der Übersetzung)
- Heckett, Elizabeth Wincott (2003). Viking Age Headcoverings from Dublin, Dublin
- Ibn Fadlan, Risala §89
- Ḥudūd al-ʿĀlam (Übersetzung Minorsky)
- Saga-Belege: Rígsþula, Þrymskviða, Njáls saga, Laxdæla saga, Gísla saga, Orkneyinga saga, Kormáks saga, Jómsvíkinga saga, Ljósvetninga saga u. a.