Possible function of the "Perun Axes" – Projekt Forlǫg¶
Informationen
- Untertyp
- Online-Artikel
- Autor
- Tomáš Vlasatý
- Erscheinungsjahr
- 2019
- Sprache
- Englisch
- Publikation
- Projekt Forlǫg (sagy.vikingove.cz)
- DOI
- 10.59500/forlog
- ISSN
- 2788-3000
- URL
- sagy.vikingove.cz/en/possible-function-of-the-perun-axes
Possible function of the "Perun Axes" – Projekt Forlǫg
Quellenübersicht¶
Dieser Artikel von Tomáš Vlasatý untersucht frühmittelalterliche Axt-Miniaturen (sog. „Perun-Äxte") und ihre möglichen Funktionen. Kernaussage: Die Miniaturen waren mindestens im 9.–12. Jahrhundert von Irland bis Russland in Gebrauch und sind — anders als oft dargestellt — nicht auf slawische Gebiete beschränkt; das Etikett „Perun-Axt" beruht laut Vlasatý auf einer Interpretation aus den 1960er Jahren, die den aktuellen Forschungsstand nicht widerspiegelt. Gefertigt wurden die Miniaturen aus Buntmetall („Bronze"), Bernstein, Silber, Eisen, Zinnlegierungen, Blei und Knochen. Der Autor diskutiert mehrere Deutungen (Amulett, Anhänger, Grabbeigabe für Kinder, Votivgabe, Nadel-/Verschlussfunktion) statt einer rein religiösen Zuschreibung an einen Donnergott.
Inhalt¶
Autor: Tomáš Vlasatý | 6. Juli 2019 | Projekt Forlǫg (sagy.vikingove.cz)
DOI: https://doi.org/10.59500/forlog | ISSN: 2788-3000
Kernaussagen (nach Vlasatý)¶
- Verbreitung/Datierung: Axt-Miniaturen mindestens im 9.–12. Jh. „von Irland bis Russland" in Gebrauch — nicht nur in slawischen Gebieten.
- Materialien: Buntmetall („Bronze"), Bernstein, Silber, Eisen, Zinnlegierungen, Blei, Knochen.
- Bestand: Die Kataloge von Kucypera/Pranke/Wadyl zählen 154 osteuropäische Exemplare (10.–13. Jh.); für Skandinavien und Westeuropa nennt der Artikel insgesamt 44 Stücke — dazu zahlreiche Detektorfunde.
- Tragweise: Einige Miniaturen mit Ringen/Ketten oder winziger Öse als Anhänger; mindestens zwei Äxte ohne Öse lagen in Frauengräbern zusammen mit anderen Amuletten und Perlen auf der Brust (Ketten). Etwa 10 Exemplare mit erhaltenem Holzschaft; Grablage typischerweise an der rechten Hüfte oder auf der Brust.
- In der Forschung diskutierte Deutungen (laut Artikel): diskret getragene Amulette; Bezug zu einem Donnergott; Geschenke an Jungen beim Ritual des ersten Haarschnitts; Bezug zu Mitgliedern der altrussischen Druschina; Bezug zum Olav-Kult; Kinderspielzeug.
- Vom Autor zusätzlich vorgeschlagen: Bestandteil von Frauen-Halsketten bzw. Mantelnadeln; symbolische Beigabe für verstorbene Kinder; Votivdeponierung bei Landnahme/Kolonisation.
Behandelte Funde (Auswahl, nach Vlasatý)¶
- Nikolskoje III (Russland) — in Stoff gewickelte Axt-Miniatur, 10.–13. Jh.
- Haithabu (Deutschland) — Buntmetall-Miniatur, Knochennadeln, Axtscheiden-Keil (HbH.432.002), 10.–12. Jh.
- Ribe (Dänemark) — Speckstein-Gussform, Bernstein-Äxte (u. a. Funde 1990/91 und 2018)
- Novgorod (Russland) — hölzerne Axtscheide mit Befestigungslöchern, 10.–13. Jh.
- Schleswig (Deutschland) — verzierte Axtscheide mit eingravierten Äxten
- Niederlande — über 20 axtförmige Knochennadeln
- Großbritannien — mindestens 6 frühmittelalterliche Knochennadeln
- Islandbridge (Irland) — Metall-Axtnadel
- Svingesæter und Bjåland (Norwegen) — Metall-Axtminiaturen
Bibliografie (über Vlasatý zitiert)¶
- Kucypera, P. – Pranke, P. – Wadyl, S. (2010, 2011) – Kataloge frühmittelalterlicher Miniaturäxte (Wczesnośredniowieczne toporki miniaturowe)
- Jensen, Bo (2010), Viking Age Amulets in Scandinavia and Western Europe
- Paulsen, Peter (1939, 1956), Axt und Kreuz
- Makarov, N. A. (1992) – zu altrussischen Axt-Amuletten
- Westphal, Florian (2007), Die Holzfunde von Haithabu
- Kainov, S. Ju. – Singh, V. K. (2016) – zur hölzernen Axtscheide aus Novgorod
Weiterführende Links¶
Behandelte Fundorte¶
- Haithabu – Schleswig-Holstein, Deutschland
- Ribe – Dänemark (bislang nicht als Fundort-Eintrag im Archiv erfasst)
- Novgorod, Nikolskoje III – Russland (bislang nicht als Fundort-Eintrag im Archiv erfasst)