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Ovinky nohou (Early Medieval Leg Wrappings) – Projekt Forlǫg

Informationen
Untertyp
Online-Artikel
Autor
Peter Beatson (Übersetzung und Ergänzung: Tomáš Vlasatý)
Erscheinungsjahr
2015
Sprache
Tschechisch
Publikation
Projekt Forlǫg (sagy.vikingove.cz)
DOI
10.59500/forlog
ISSN
2788-3000
URL
sagy.vikingove.cz/ovinky-nohou

Ovinky nohou – Projekt Forlǫg

Sprach- und Autorenlage

Der Beitrag (17. Juli 2015) ist tschechisch; die englische Sitemap des Projekts führt ihn unter dem übersetzten Titel „Early Medieval Leg Wrappings". Kern ist die von Tomáš Vlasatý übersetzte und mit einem Übersetzer-Zusatz versehene Fassung des Artikels von Peter Beatson (NVG Miklagard), ursprünglich erschienen in der Zeitschrift Varangian Voice Nr. 37, 1995; sie liegt als PDF auf der Artikelseite.

Quellenübersicht

Der Artikel behandelt frühmittelalterliche Beinwickel (Wickelbänder) anhand der publizierten Textilfunde. Die als Beinwickel interpretierten Wollbänder aus europäischen frühmittelalterlichen Siedlungen sind bemerkenswert einheitlich: üblicherweise 75–100 mm breit (Durchschnitt ca. 9 cm), nicht geschnitten, sondern in dieser Breite gewebt (beidseitig Webkanten) und fast durchweg in 2/2-Fischgrat-Köper („broken chevron twill") mit Z-gesponnener Kette und S-gesponnenem Schuss ausgeführt. Beatson katalogisiert Funde aus Elisenhof, Niens, Haithabu (Hedeby), London (Milk Street), York (Coppergate), Dublin (Wood Quay) und Zalachtovje und diskutiert Farben, Maße und Befestigung; Vlasatý ergänzt einen kritischen Zusatz zur Fixierung (Lederriemen/Textilbänder statt bloßem Einstecken der Enden).

Inhalt

Autor: Peter Beatson, übersetzt und ergänzt von Tomáš Vlasatý | Online-Publikation 17. Juli 2015 (Original 1995, Varangian Voice 37) | Projekt Forlǫg (sagy.vikingove.cz)

DOI: https://doi.org/10.59500/forlog | ISSN: 2788-3000

Technischer Befund (nach Beatson)

  • Webart: bis auf wenige Ausnahmen 2/2-Kettfischgrat („rybí kost"), gekämmte Wolle, Kette Z-, Schuss S-gesponnen; hohe Fadendichten (hochwertige Ware). Kette meist dichter als Schuss — drei Haithabu-Funde ca. 2:1, Funde von den Britischen Inseln nahe 1:1 (evtl. lokale Webtraditionen).
  • Richtungswechsel des Fischgratmusters meist alle 10 Kettfäden, in Britannien oft alle 6; Webfehler häufig, ein regelmäßiges Muster war offenbar nicht immer Ziel.
  • Kanten: einfache, unverstärkte Webkanten; Ausnahme die bis zu 16 cm breiten Wickel aus den finnisch geprägten Gräbern von Zalachtovje (röhrenförmige Kanten). Haithabu S-26 mit Saum an einer Kante (wohl erst bei Zweitverwendung als Flicken).
  • Farben: York und fast alle Londoner Stücke mit Flechtenpurpur gefärbt, zwei Londoner Stücke mit Indigotin (Färberwaid?); Elisenhof E-32 und Haithabu S-26 rot, H-28 und S-34 gelb; teils verschiedenfarbige Kette/Schuss zur Musterbetonung (Elisenhof E-479, Dublin E172:12034).

Fundliste (Tabelle 1 des Artikels)

  • Elisenhof, Deutschland (7.–9. Jh.) — 17 Katalogstücke (E-20 bis E-479), Breiten ca. 6,9–10,2 cm
  • Niens, Deutschland (7.–8. Jh.)
  • Haithabu/Hedeby, Deutschland (9.–10. Jh.) — u. a. H-28, H-29, H-43, H-49B, H-55C, S-26, S-34
  • Milk Street, London, England (Ende 9.–10. Jh.)
  • 16-22 Coppergate, York, England (9.–10. Jh.)
  • Wood Quay, Dublin, Irland (10.–12. Jh.)
  • Zalachtovje, Russland (finnische Gräber)

Länge

  • Kein vollständiger wikingerzeitlicher Fund erhalten; längste Fragmente: Elisenhof E-479 (124 cm), Haithabu H-55C (118 cm), H-43 (102 cm).
  • Vollständige vorwikingerzeitliche Moorfunde: Damendorf (2. Jh. n. Chr., 105 cm) und Bernuthsfeld (7. Jh. n. Chr., 370 und 292 cm; mit Nähten aus angesetzten Stücken).
  • Die Lejre-Rekonstruktion nach Haithabu S-26 ist 360 cm lang; nach praktischer Erfahrung braucht es pro Bein (Fuß und Wade) mindestens 2,5–3 m.

Befestigung

  • Einfachste Methode: Einstecken der freien Enden hinter die Wicklung; Handschriften zeigen bei hochgestellten Personen auch übergebundene Bänder mit Quasten.
  • Finnische Träger fixierten die Wickel mit schmalen brettchengewebten Strumpfbändern, deren Enden oft mit Bronzedraht-Spiralen verziert waren (Zalachtovje; Quastenende aus Eura Luistari, 10. Jh.).
  • Haken: Grab Bj 903 aus Birka (10. Jh.) — zwei Bronzehäkchen unter den Kniescheiben eines Männerskeletts, rückseitig Reste von Wollköper (Beinwickel?), eingehängt in Eisenringe mit Leinenresten; ähnlicher Haken vom Rurikovo Gorodischtsche bei Nowgorod (9.–10. Jh.); Grab 67 von Winchester (2. Hälfte 9. Jh.) — silberne Häkchen in Kniehöhe (Geschlecht unbestimmt).
  • Strumpfband-Garnituren (Schnalle, Riemenschlaufe, Riemenzunge) aus drei Gräbern von Lejre, Dänemark: Grab 1058 (um 900, vergoldete/versilberte Bronze), Gräber 850 und 979 (Eisen).
  • Zusatz des Übersetzers (Vlasatý): Bloßes Einstecken der Enden lockert sich in der Praxis; wahrscheinlicher ist die Fixierung mit Lederriemen oder Textilbändern — gestützt auf kontinentale Ikonografie (Lothar-Psalter, Add MS 37768, kurz nach 842; Gumpold-Legende des hl. Wenzel, um 1000) und altnordische Literatur.

Rekonstruktion (nach Beatson)

Moderne Beinwickel werden meist geschnitten statt in Breite gewebt; Fischgrat-Köper ist verfügbar, erreicht aber selten die originale Qualität (8–13 Kett-/8–10 Schussfäden pro cm bei vermessenen Stücken). Beliebte Farben waren offenbar Blau und Purpur.

Bibliografie (über Vlasatý zitiert, Auswahl)

  • Hägg, Inga (1984). Die Textilfunde aus dem Hafen von Haithabu, Neumünster
  • Hägg, Inga (1986). Die Tracht. In: Birka II:2, Stockholm, 51–72
  • Hägg, Inga (1991). Die Textilfunde aus der Siedlung und aus den Gräbern von Haithabu, Neumünster
  • Hundt, Hans-Jürgen (1981). Die Textil- und Schnurreste. Die frühgeschichtliche Marschensiedlung beim Elisenhof in Eiderstedt, Bd. 4, Frankfurt am Main
  • Pritchard, Frances (1984). Late Saxon textiles from the City of London. In: Medieval Archaeology 28, 46–76
  • Pritchard, Frances (1992). Aspects of the wool textiles from Viking Age Dublin (NESAT IV), Kopenhagen, 93–104
  • Walton, Penelope (1989). Textiles, cordage and raw fibre from 16-22 Coppergate, Archaeology of York 17 (5)
  • Chvoščinská, N. (1992). New finds of medieval textiles in the north of Novgorod land (NESAT IV), Kopenhagen, 128–133
  • Biddle, Martin (1990). Object and Economy in Medieval Winchester, Oxford
  • Andersen, A. W. (1993). Lejre-skibssættinger, vikingegrave, Gridehøj. In: Aarbøger for Nordisk Oldkyndighed og Historie 1993, 7–142
  • Arbman, Holger (1940–43). Birka I: Die Gräber, Stockholm
  • Owen-Crocker, Gale R. (1986). Dress in Anglo-Saxon England, Manchester
  • Zariņa, Anna (1990; 1994) — lettische Gewebe- und Trachtfunde (NESAT III und V)
  • Lehtosalo-Hilander, Pirkko-Liisa (1982). Luistari II: The Artefacts, Helsinki
  • van der Sanden, Wijnand (1996). Through Nature to Eternity: The Bog Bodies of Northwest Europe, Amsterdam
  • Krag, Anne Hedeager (1994). Reconstruction of a Viking magnate dress (NESAT V), Neumünster, 114–119