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Die »Wikingerschwerter« von Hedendorf und ihre Fundgeschichte(n)

Informationen
Untertitel
… eine ganze Menge von 'Isentüg' …
Englischer Titel
The 'viking' Swords from Hedendorf
Untertyp
Aufsatz
Autor
Bernd Habermann
Herausgeber
Stefan Hesse
Institution
Hansestadt Buxtehude, Fachgruppe 63 – Denkmalpflege
Verlag
Isensee Verlag, Oldenburg (Kommissionsverlag)
Erscheinungsjahr
2018
Sprache
Deutsch
Sammelwerk
Archäologische Berichte des Landkreises Rotenburg (Wümme), Band 21
Band
21
Seiten
363-373
ISBN
978-3-7308-1509-0
URL
archaeologie-row.de/publikationen/archaeologische-berichte

Zusammenfassung gemäß Abstract und Volltext.

Auf der Geest südlich von Buxtehude (zwischen Hedendorf, Grundoldendorf und Apensen) gab es noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts eine Vielzahl vorgeschichtlicher Hügel- und Megalithgräber – nach Wächter (1841) sieben Hünenbetten und 56 Grabhügel. Im Zuge der Umwandlung in landwirtschaftliche Nutzflächen wurden die Hügel über mehrere Jahrzehnte vollständig abgetragen. Nur einzelne Fundstücke konnten geborgen werden, darunter drei Schwerter, die heute im Buxtehude Museum für Regionalgeschichte und Kunst aufbewahrt werden. In die Vereinssammlung (Vorläufer des Museums) gelangten sie laut Habermann als Schenkung im Jahr 1883.

Datierung laut Quelle: 2. Hälfte des 8. bzw. Anfang des 9. Jahrhunderts – also in die Zeit der Sachsenkriege Karls des Großen. Damit sind die Funde streng genommen nicht wikingerzeitlich im typologischen Sinn; der Aufsatztitel setzt »Wikingerschwerter« daher in Anführungszeichen. Der Begriff hat sich in der Region durch die ältere Berichterstattung (Schuchhardt 1905, Thorborg 1937) etabliert.

Klingen- und Griffdetails laut Habermann (S. 368–369):

  • Klingenlänge ca. 0,95 m, mit Griff
  • Damaszierte Klingen, aus sieben Schweißbahnen aufgebaut, mehrfach gefaltet und wiederholt geschmiedet
  • Holz- und ledergewickelte Griffe mit Tauschierungen und Goldblechbelägen
  • Inschrift einer Parierstange (Schauseite/Rückseite): „(B)ENEDICTUS" / „DNSDSM" (= Dominus, deus meus)

Typologische Einordnung (nicht aus Habermann, ergänzt nach Marek 2014, S. 10):

  • Mannheim-Typ (Variante) – karolingerzeitliche Schwerttypologie nach Geibig 1991 (vor Petersen). Mareks Schwertliste verzeichnet das Hedendorfer Schwert als Position 2 in einer Reihe von 12 Benedictus-Schwertern.
  • Präzise Inschriftlesung nach Jankuhn 1939, S. 159 (zit. bei Marek 2014):
  • Vorderseite der Parierstange (obverse): BENEDICT….I
  • Rückseite (reverse): IFDNSDSN
  • Die in Habermann formulierte Kurzform (B)ENEDICTUS / DNSDSM ist die rekonstruierte Lesung (mit Dominus Deus meus als Auflösung der Abkürzung); Mareks Lesung gibt die tatsächlich erhaltenen Buchstaben wieder. Beides ist faktentreu, beschreibt aber unterschiedliche Ebenen.
  • Quelle Inschrift-Vergleichskorpus (12 Benedictus-Schwerter, 8.–13. Jh.): siehe Marek_2014_Benedictus_Swords

Hinweis zur Hedendorf-Schwertanzahl: Habermann erwähnt drei Schwerter im Museum Buxtehude. Marek 2014 behandelt nur eines davon – das mit der Benedictus-Inschrift. Über Typeneinordnung und Inschriften der anderen beiden Hedendorfer Schwerter trifft keine der beiden Quellen Aussagen; dafür müsste Westphal 2002 (Kat.-Nrn. I.2.40–I.2.41) konsultiert werden.

Herkunftsfrage: Habermann schreibt vorsichtig „Im Allgemeinen wird für die Schwerter eine Herkunft aus dem fränkischen Reich angenommen, doch war die angewandte Technologie sehr weit verbreitet, so dass eine Produktion auch in lokalen Werkstätten nicht ganz ausgeschlossen werden kann."

Schuchhardt 1905: Carl Schuchhardt (zur damaligen Zeit Direktor des Kestner-Museums Hannover) besuchte die Fundstelle am 2. Oktober 1905, skizzierte und beschrieb acht noch erkennbare Hügel A–D (mit Durchmessern zwischen 5 m und 8 m, Resthöhen bis 1,2 m). Originalüberschrift seiner Notiz: „Wikingische Brandhügel. 10 M[uten] südlich Grundoldendorf am Wege nach Apensen. Fundstelle der Buxtehuder goldtauschierten Schwerter".

Weitere Funde aus den Hügeln laut Inventarbuch des Museums (S. 371): ein Bruchstück eines Bronze-Armbandes, ein eisernes Amulett, eine mit Mosaik verzierte Glasperle (im Eingangsbuch als „seltenes Exemplar, vorzüglich gearbeitet" beschrieben), Bruchstücke eiserner Dolche und Messer, sowie eine 15 cm lange eiserne Speerspitze – geborgen im Juni 1883 durch Rector Dr. Pansch, Lehrer Meyer (Grundoldendorf) und Architekt Krusewitz (Buxtehude).

Relevanz für das Reenactment

  • Fundgeschichte und Quellenkritik dreier Schwerter im Bestand des Buxtehude Museum für Regionalgeschichte und Kunst.
  • Wichtige Abgrenzung: Bezeichnung »Wikingerschwert« in dieser Fundgruppe ist nicht typologisch, sondern älterer Sprachgebrauch – datiert wird in die Karolinger-/Sachsenkriegszeit.
  • Konkrete Beleglinie für altsächsisch-karolingerzeitliche Schwertinschriften (BENEDICTUS / DNSDSM) als Vergleich zu späteren Vlfberht-Inschriften.

Verknüpfte Einträge

Zitierte weiterführende Literatur (Auswahl aus dem Literaturverzeichnis)

  • Alsdorf, D. 2017: „Vermittelst eines Sucheisens sehr wohl zu finden". Frühe Grabungsmethoden auf der Stader Geest des 18. Jahrhunderts. Archäologie in Niedersachsen 20, 2017, 39–42.
  • Köster, F. 1856: Alterthümer, Geschichten und Sagen der Herzogthümer Bremen und Verden. Stade.
  • Schubert, E. 1993: Die Capitulatio de partibus Saxoniae. In: Brosius / van den Heuvel / Hinrichs / van Lengen (Hrsg.): Geschichte in der Region. Festschrift Heinrich Schmidt. Veröffentl. der Hist. Kommission für Niedersachsen und Bremen, Sonderband, Hannover, 3–28.
  • Thorborg, T. 1937: Wikingerzeit – Heldenzeit. Geschichte rund um die berühmten Buxtehuder Wikingerschwerter. Buxtehuder Heimatbücher 2, 1937, 96–141 (zu ihrer Auffindung bes. S. 108–109).
  • Wächter, J.K. 1841: Statistik der im Königreiche Hannover vorhandenen heidnischen Denkmäler. Hannover.
  • Westphal, H. 2002: Franken oder Sachsen? Untersuchungen an frühmittelalterlichen Waffen. Studien zur Sachsenforschung 14, Oldenburg, 86–89, Kat.-Nrn. I.2.40–I.2.41 – mit umfangreicher weiterführender Literatur und (laut Habermann) der detaillierten Katalogerfassung der drei Schwerter.

Offene Aufgaben / nachzutragen

  • Inventarnummern der drei Schwerter im Buxtehude Museum für Regionalgeschichte und Kunst – im Habermann-Aufsatz nicht angegeben, auch in Marek 2014 nicht enthalten. Quelle erwartbar: Westphal 2002, Kat.-Nrn. I.2.40–I.2.41 (Buch nur antiquarisch / im Buchhandel verfügbar, kein Open Access).
  • Typeneinordnung der beiden anderen Hedendorfer Schwerter (ohne Benedictus-Inschrift) – im Habermann-Aufsatz nicht angegeben, auch in Marek 2014 nicht enthalten. Quelle erwartbar: Westphal 2002.
  • ISBN/ISSN des Sammelbands „Archäologische Berichte des Landkreises Rotenburg (Wümme), Bd. 21" – aus dem vorliegenden PDF-Auszug (12 von vermutlich deutlich mehr Seiten des Gesamtbandes) nicht eindeutig hervorgehend.