Betten aus dem Gokstad-Fund¶
Informationen
- Überlieferung
- Fund
- Kategorie
- Möbel
- Fundort
- Gokstad (Sandefjord, Vestfold, Norwegen)
- Fundkontext
- Grab
- Fundlage
- Schiffsgrab — Bettteile im Vorschiff, ein weiteres Bettstück in der Grabkammer
- Datierung
- ca. 900 n. Chr. (Grablegung)
- Material
- Eiche
- Anzahl
- Teile von „vermutlich 5 Betten"; zwei ließen sich vollständig zusammensetzen
- Aufbewahrung
- Kulturhistorisk museum, Universitetet i Oslo (Vikingtidsmuseet)
- Inventarnummer
- C10410 (Bettteile, laut Katalog); weitere Bettteile u. a. C10408
Im Gokstad-Schiffsgrab (Gokstad, ausgegraben 1880) wurden Teile von vermutlich fünf Betten aus Eiche gefunden. Sie sind – neben den Betten aus dem Oseberg-Fund – die zentrale Quelle für wikingerzeitliche Bettgestelle. Alle Angaben hier stammen aus der Grabungspublikation Nicolaysen 1882, die im Archiv als vollständiger Scan vorliegt; der vollständige Wortlaut der Belegstellen S. 42 und S. 46 steht dort unter Belegstellen: Betten.
Beschreibung (nach Nicolaysen 1882)¶
Vorschiff — zwei zusammensetzbare Betten (S. 42, Punkt s)¶
„stykker af antagelig 5 senge af ek med simpelt arbeide, hvoraf to have kunnet fuldstændig sammensættes"
| Bett A (Taf. VII Fig. 2) | Bett B | |
|---|---|---|
| Eckpfosten | 70 cm hoch | 75 cm hoch |
| Endbretter | 1,09 m lang | 1,10 m lang, 28–30 cm breit |
| Seitenbretter | 2,27 m lang | 1,43 m lang, etwas schmaler |
| Öffnungen | an der Unterkante längliche Öffnungen („aflange aabninger") für die Bodenstücke | an der Unterkante runde Löcher („runde huller") |
Beide Betten waren zerlegbar („til at tages fra hinanden, naar de ikke brugtes"). Nicolaysen vermutet, dass sie „rimeligvis" nur von den Vornehmsten der Schiffsbesatzung benutzt wurden — eine Deutung des Ausgräbers, kein Befund.
Grabkammer — Bettstück mit beiden Lochformen (S. 46, Punkt e)¶
„et stykke af en seng af ek (pl. VII fig. 1) med samme slags arbeide og hovedform som de ovennævnte (s. 42, jfr. pl. VII fig. 2), men forskjellig fra disse derved, at sidefjælen foruden aflang firkantede aabninger i nederdelen længer oppe har en rad runde huller"
Dieses Bettstück vereint also beides: unten die länglich-viereckigen Öffnungen und weiter oben eine Reihe runder Löcher.
Konstruktion der Liegefläche — was belegt ist und was nicht¶
Es sind mindestens zwei Varianten der Zargenöffnung belegt: längliche Nuten und runde Bohrlöcher (bei einem Stück sogar beides am selben Brett). Womit die Öffnungen gefüllt waren, sagt Nicolaysen an keiner Stelle — er spricht nur allgemein von den „bundstykker" (Bodenstücken). Für die Gokstad-Betten ist der Inhalt der Löcher somit nicht belegt.
Mögliche Varianten:
- Geflochtenes Stabgitter (belegt — aber am Oseberg-Fund, nicht an Gokstad). Im Katalog des Kulturhistorisk museum zur sog. „Sheteligs seng" aus Oseberg (C55000/191) sind runde Löcher von ca. 2,5 cm Durchmesser dokumentiert, in denen Holzstäbe („bunnspiler", 1,5–2 cm dick) steckten; die Stäbe lagen abwechselnd über- und untereinander wie ein Flechtwerk und waren mit Keilen gesichert. Shetelig traf die Stäbe in situ in den Löchern an. Ein zweites Oseberg-Bett (C55000/182) hat eine Lochreihe im Abstand von ca. 17–20 cm, ebenfalls für eingezapfte Stäbe. (Katalogdaten: DigitaltMuseum, C55000/191 bzw. C55000/182)
- Eingezapfte Bodenbretter/-spieren. Für die länglichen Öffnungen der Gokstad-Betten naheliegend („aabninger for bundstykkerne"); beim Oseberg-Bett „Den store seng" sind eingezapfte Bodenbretter dokumentiert (DigitaltMuseum).
- Seil-/Schnurbespannung (Vermutung, nicht belegt). Der ältere Katalogtext zu den Gokstad-Bettteilen (C10410) erwägt sie ausdrücklich als Möglichkeit: „smaa runde Huller til at fæste Bunden (maaske har der blot været Toug)" — „vielleicht war da nur ein Tau". Es werden keine Faser- oder Seilreste als Befund angeführt (DigitaltMuseum, C10410).
Fazit: Runde Bohrlöcher in der Zarge sind am Original belegt; eine Seilbespannung ist es nicht — sie ist eine (alte, aber unbelegte) Rekonstruktionsvariante. Wo die Füllung dokumentiert ist (Oseberg), war es ein Stabgitter.
Abbildungen¶
- Nicolaysen 1882, Tafel VII, Fig. 1 (Bettstück aus
der Grabkammer) und Fig. 2 (vollständiges Bett):

- Vollständiges Werk als PDF: buch_nicolaysen_1882_langskibet_gokstad.pdf (PDF-Seite = Buchseite + 20)
Quellennachweise¶
- Nicolaysen_1882_Gokstad_Schiff — Grabungspublikation, S. 42 und S. 46, Tafel VII
- Kulturhistorisches-Museum_Oslo — verwahrende Institution (C10410, C10408)
- DigitaltMuseum — Online-Katalog mit den Katalogdaten zu C10410 sowie den Oseberg-Vergleichsbetten (C55000/191, C55000/182, „Den store seng")
- Gokstad — Fundort
- Sjoevold_1979_Wikingerschiffe_Oslo — Wikingerschiffe in Oslo (Museumsband)
Relevanz für das Reenactment¶
Beleg-Anker für nachgebaute Bettgestelle: zerlegbare Rahmen aus Eiche, Eckpfosten 70–75 cm, Seitenbretter bis 2,27 m, und zwei belegte Öffnungsformen (längliche Nuten bzw. runde Löcher). Die Wahl der Liegeflächen-Bespannung ist damit eine Interpretation — siehe Wohnen, Lager & Schlafkammer.