Latgallische Langmesser/Saxe aus Priekuļi-Gūģeri (Lettland)¶
Informationen
- Kategorie
- Waffe
- Fundort
- Priekuļi-Gūģeri (Ģūģeru kapulauks), Lettland — latgallisches Gräberfeld
- Fundkontext
- Grab (Messer aus Grab 30 primärquellenbasiert belegt, Inv. VI 291:378; Messer aus Grab 42 nur nach Vlasatý)
- Kultur
- Latgallen (Latgaļi)
- Datierung
- Grab 30: erste Hälfte 11. Jh. (Apala–Zariņa 1991, dt. Zusammenfassung S. 29); Gruppendatierung der lettischen geraden Langmesser mit verzierten Scheiden: frühes 10. bis 11. Jh. (Vlasatý 2020)
- Material
- Eisen (Klinge); Griff aus Holz/Bein/Geweih (Gruppenmerkmal)
- Maße
- Grab 30: Gesamtlänge 49 cm (Apala–Zariņa 1991). Gruppenwerte: Gesamtlänge 27–60 cm (meist 35–50), Klingenbreite 1,7–3 cm, Rückenstärke ~1 cm, Griff 9–13 cm
- Aufbewahrung
- aus den vorliegenden Quellen nicht belegt (lettische Sammlung)
- Inventarnummer
- VI 291:378 (Kampfmesser aus Grab 30, Apala–Zariņa 1991); für Grab 42 keine Inv.-Nr. belegt
Beleglage: Für Grab 30 liegt die Primärpublikation Apala–Zariņa 1991 jetzt als Volltext im Archiv vor (siehe Apala_Zarina_1991_Guegeru_Kapulauks). Für Grab 42 bleibt weiterhin nur die Reenactment-Forschung Vlasatý / Projekt Forlǫg („Evolution of Scandinavian long knives") als Beleg – die Primärpublikation erwähnt Grab 42 nur beiläufig (Trachtvergleich), nicht mit Messerdetails. Die Zuweisung der eigenen Replik Sax_Karbonstahl an genau diesen Fund ist eine Händlerangabe (Battle-Merchant / Vehi Mercatus), durch die hier dokumentierte reale Fundgruppe aber plausibilisiert.
Fundkontext¶
Die geraden Langmesser/„Saxe" sind im ostbaltischen Raum u. a. bei den Latgallen verbreitet; aus dem Gräberfeld Priekuļi-Gūģeri sind Messer aus den Gräbern 30 und 42 erhalten.
Grab 30 (entdeckt 1989, Ausgrabungsfläche F-1) ist primärquellenbasiert belegt: die Skelettbestattung eines ca. 40–50 Jahre alten Mannes, datiert in die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts — Apala–Zariņa 1991, deutsche Zusammenfassung S. 29, wörtlich: „Die gefundenen Waffen, Schmucksachen und Münzen erlauben, diese Begrabung mit der ersten Hälfte des 11. Jh. zu datieren." Das Kampfmesser (Inv. VI 291:378) war dort gemeinsam mit einem zweischneidigen Schwert (Typ V nach Petersen), Speer, Wurfspeer und Axt niedergelegt.
Grab 42 ist in der eingesehenen Primärpublikation nur beiläufig erwähnt (Vergleich von Halsausschnitt-Verzierungen der Tracht), ohne Messerbeschreibung – die Zuordnung eines Langmessers zu Grab 42 stützt sich weiterhin ausschließlich auf Vlasatý.
Beschreibung¶
Grab 30 (VI 291:378, primärquellenbasiert):
- „Kampfmesser" (lett. kaujas nazis), Gesamtlänge 49 cm.
- Lederscheiden-Reste mit Bronzenieten teilweise erhalten; parallel dazu am Körper ein zweischneidiges Schwert mit Holzscheiden-Resten und bronzenem Ortband.
- Aufbewahrung/Sammlung in der eingesehenen Publikation nicht namentlich benannt.
Gruppenbeschreibung nach Vlasatý (skandinavisch-baltische Langmesser allgemein, nicht Priekuļi-Gūģeri-spezifisch):
- Einschneidiges Langmesser mit geradem Rücken.
- Gesamtlänge 27–60 cm (meist 35–50 cm), Klingenbreite 1,7–3 cm, Rückenstärke ~1 cm.
- Griff (9–13 cm) aus Holz, Bein oder Geweih.
- Datierung der Gruppe: Die lettischen Messer mit verzierten Scheiden treten nach Vlasatý 2020 „im frühen 10. Jh." auf, verbreiten sich „in der zweiten Hälfte des 10. Jh." und laufen „bis ins 11. Jh." — daher die Gruppendatierung 10.–11. Jh.
Das Grab-30-Stück (49 cm) liegt am oberen Rand dieser Gruppenspanne.
Quellennachweise¶
- Sax_Karbonstahl — eigene Ausstellungsreplik, deren Hersteller diesen Fund als Vorbild nennt (Händlerangabe)
- T. Vlasatý, „Evolution of Scandinavian long knives" (Projekt Forlǫg)
- Apala, Z. – Zariņa, A. (1991), Dižciltīga latgaļa apbedījums Ģūģeru kapulaukā (Primärpublikation, im Archiv als Volltext vorhanden)
Relevanz für das Reenactment¶
- Reale Fundgruppe hinter der Hersteller-Vorbildangabe der Replik Sax_Karbonstahl („baltisches/latgallisches Langmesser 11. Jh."). Bestätigt Typ (gerades Langmesser) und Region (Latgallen, Lettland); die exakte Stück-Zuordnung bleibt Händlerangabe.
Offene Aufgaben / nachzutragen¶
- Grab 42 im Detail belegen (Primärpublikation erwähnt es nur beiläufig, ohne Messerangaben).
- Aufbewahrungsort/Sammlung der Inv.-Nr. VI 291:378 (lettisches Museum) namentlich ermitteln.
- Lizenzgeklärtes Fundbild prüfen.