Prachtschwert aus dem Bootkammergrab von Haithabu¶
Informationen
- Kategorie
- Waffe
- Fundort
- Haithabu
- Fundkontext
- Grab
- Fundkomplex
- Bootkammergrab_Haithabu — Bootkammergrab, ausgegraben 1908 (F. Knorr)
- Datierung
- Ende 9./Anfang 10. Jh. (Datierung des Komplexes umstritten)
- Material
- Eisen (Klinge); ein Schwert karolingischer Herkunft (Sekundärquelle: Wikipedia); Beschlagmaterial im Archiv nicht belegt
- Maße
- aus den vorliegenden Quellen nicht belegt
- Aufbewahrung
- Wikinger Museum Haithabu (Herstellerangabe, im Archiv nicht unabhängig verifiziert)
- Inventarnummer
- unbekannt
Beleglage / Quellentrennung (wichtig): – Buchbeleg (im Archiv): Schietzel 2014, S. 574 (Abb. 487) bildet die „Prachtschwerter aus dem Bootskammergrab" ab. – Sekundärquelle (enzyklopädisch): das Bootkammergrab enthielt 3 Schwerter, darunter ein karolingisches des ranghöchsten Bestatteten (Wikipedia: „Bootkammergrab von Haithabu"). – Nur Herstellerangabe (nicht belegt): die Replik-Vertriebsangabe „Original im Wikinger Museum Haithabu", Datierung „9. Jh." und die Materialdetails stammen vom Hersteller (wikingar.de / Battle-Merchant), zitiert in Koenigsschwert_Haithabu. Eine eindeutige Inventarnummer und die Zuordnung welches der drei Schwerter die Replik abbildet, sind im Archiv nicht belegt.
Fundkontext¶
Der Fund gehört zum geschlossenen Komplex Bootkammergrab_Haithabu — einem 1908 durch Friedrich Knorr untersuchten Kammergrab mit drei Bestatteten, drei Pferden und reichem Beigabeninventar (u. a. drei Schwerter; Sekundärquelle: Wikipedia). Die genaue Zuordnung des einzelnen Prachtschwerts zu einem der drei Bestatteten ist im Archiv nicht belegt.
Geschichte & Bedeutung¶
1908 grub Friedrich Knorr außerhalb des Halbkreiswalls von Haithabu ein für Norddeutschland außergewöhnliches Kammergrab aus: drei bestattete Männer, drei Pferde in einer Randgrube und – kieloben über der Grabkammer – ein echtes Wikingerboot, das dem Grab seinen Namen gibt (Müller-Wille u. a. 1976; Sekundärquelle: Wikipedia). Die wissenschaftliche Erstpublikation der Schwerter und des Befunds legten Müller-Wille, Crumlin-Pedersen und Dekówna 1976 vor (MuellerWille_1976_Bootkammergrab_Haithabu). Insgesamt enthielt das Grab drei Schwerter; das reich verzierte Prachtschwert lag beim ranghöchsten Bestatteten.
„Königsschwert" ist ein moderner Name. Die Bezeichnung „Königsschwert Haithabu" stammt aus dem Replikenhandel, nicht aus der Archäologie – ein König ist im Grab nicht belegt. Egon Wamers deutet den ranghöchsten Bestatteten als „dänischen Vasallen" im Umfeld fränkischen Hofzeremoniells, also als Elite-Person mit enger Anbindung an das Frankenreich; das verzierte Schwert gilt als karolingischer Import, und fränkische Klingen waren begehrte Statusobjekte im Norden (Wamers 2005). Die Datierung des Grabes ist bis heute umstritten: Knorr setzte es ins späte 10. Jh., Petersen „nicht vor 900", Arbman hielt zumindest ein Schwert für älter als 800; meist wird Ende 9./Anfang 10. Jh. angesetzt (Sekundärquelle: Wikipedia).
Heidnische und christliche Symbole (Einordnung)¶
Ob die Bootkammergrab-Schwerter selbst sowohl heidnische als auch christliche Zeichen trugen, ist aus den vorliegenden Quellen nicht belegt und wird hier nicht behauptet. Das Nebeneinander beider Glaubenswelten ist für die Wikingerzeit aber allgemein gut bezeugt:
- Fränkische Ulfberht-Klingen tragen die Signatur mit eingelegten Kreuzen (Form +VLFBERH+T); die Deutung dieser Kreuze als christliche Schutzzeichen ist verbreitet, aber nicht als gesicherte Fachaussage belegt (Deutung, kein gesicherter Befund) (Wikipedia: „Ulfberht swords"; fachlich: Stalsberg_2008_Vlfberht_Schwerter). Vgl. Ulfberht_Schwert_Gnezdovo_C15.
- Explizit christliche Klingeninschriften wie IN NOMINE DOMINI werden erst im Hochmittelalter (ab dem 12. Jh.) häufig – also nach der Wikingerzeit.1
- Liturgisch begründete Benedictus-Schwerter reichen als Inschriftgruppe bis in die Karolingerzeit zurück (im Archiv: Marek_2014_Benedictus_Swords, Habermann_2018_Schwerter_Hedendorf).
- Wie eng beide Welten nebeneinander standen, zeigt eine Speckstein-Gussform aus Trendgården (Dänemark, spätes 10. Jh., Nationalmuseet Kopenhagen), in der sich Thorshämmer und Kreuze zugleich gießen ließen – ein Handwerker bediente beide Kundschaften (Nationalmuseet Kopenhagen, „Christianity comes to Denmark"). Der Archäologe Matthias Toplak (Direktor des Wikinger Museums Haithabu) beschreibt die Wikingerzeit entsprechend als „Transitionsphase" (Toplak, „Die Wikinger und das Christentum").
- Vertiefung (heidnisch/christliche Symbolik, synkretistische Stücke wie Trendgården und der Foss-Anhänger): Faktenblatt: Thorshammer-Amulette.
Beschreibung¶
Beschreibung nur, soweit belegt:
- Mehrere (drei) Schwerter aus dem Komplex, museal als „Prachtschwerter" bezeichnet; abgebildet in Schietzel 2014, S. 574 (Abb. 487).
- Eines der Schwerter ist karolingischer Herkunft (fränkisches Exportprodukt; Sekundärquelle: Wikipedia).
- Eine deskriptive Beschreibung der Replik (fünflappiger Pyramidenknauf, Klinge mit Hohlkehle und Damaszener-Optik) liegt in Koenigsschwert_Haithabu vor und ist kein Beleg für das Original.
Fundzeichnungen¶
- Abbildung in Schietzel 2014, S. 574 (Abb. 487): buch_haithabu_seite_574_schwert.pdf. Kein lizenzgeklärtes Foto des Originals im Anhang.
Quellennachweise¶
- MuellerWille_1976_Bootkammergrab_Haithabu — wissenschaftliche Erstpublikation (Müller-Wille/Crumlin-Pedersen/Dekówna 1976)
- Wamers_2005_Daenischer_Vasall — Deutung des Bestatteten („dänischer Vasall", kein König)
- Schietzel 2014 — S. 574, Abb. 487 (Buchbeleg im Archiv; Quellenverweis auf der Buchseite: H. Vierck 1984, vgl. ebd. S. 575)
- Wikipedia: „Bootkammergrab von Haithabu" — enzyklopädische Sekundärquelle (Befund, Beigaben, Datierungsdiskussion)
- Wikipedia: „Ulfberht swords" · Stalsberg_2008_Vlfberht_Schwerter — zur Ulfberht-Signatur und ihrer Deutung
- Nationalmuseet Kopenhagen — Gussform von Trendgården
- Toplak (Blog) — Wikingerzeit als „Transitionsphase"
- Bootkammergrab_Haithabu — Grab-/Komplex-Eintrag
- Koenigsschwert_Haithabu — eigene Ausstellungsreplik dieses Schwerttyps
- Haithabu — Fundort
Relevanz für das Reenactment¶
- Belegtes (literatur- und sekundärquellengestütztes) Vorbild zur Ausstellungsreplik Koenigsschwert_Haithabu: bestätigt Fundkontext (Bootkammergrab Haithabu) und die Existenz karolingischer Prachtschwerter im Grab. Datierung und Inventarnummer bleiben offen.
Offene Aufgaben / nachzutragen¶
- Erstpublikation als Literatur-Eintrag angelegt: MuellerWille_1976_Bootkammergrab_Haithabu. Befund-/Datierungs-/Inventardetails noch aus diesem Werk gegen die Sekundärquelle absichern. Deutung des Bestatteten erfasst: Wamers_2005_Daenischer_Vasall.
- Inventarnummer(n) der drei Schwerter und Zuordnung zur Replik aus der Primärliteratur (Müller-Wille 1976; Vierck 1984) ermitteln.
- Datierung (Ende 9. vs. 10. Jh.) belegt klären.
- Aufbewahrungsort (Wikinger Museum Haithabu) unabhängig bestätigen.
-
Adrian Baschung: Sword inscriptions – Into battle with God at your side. Schweizerisches Nationalmuseum, Blog, 2021 (Beispielklinge 1100–1225 mit „IN NOMINE DOMINI"). https://blog.nationalmuseum.ch/en/2021/03/sword-inscriptions/, abgerufen 2026-06-27. ↩