Bettpfosten mit Tierkopf-Enden aus dem Oseberg-Fund¶
Informationen
- Überlieferung
- Fund
- Kategorie
- Möbel
- Fundort
- Oseberg (Vestfold, Norwegen)
- Fundkontext
- Grab
- Fundlage
- Schiffsgrab (Grabkammer, Vor- und Achterschiff)
- Datierung
- 834 n. Chr. (Grablegung, dendrochronologisch)
- Material
- Buche (norw. „bøk", laut Katalog) — bei allen hier genannten Katalognummern
- Aufbewahrung
- Kulturhistorisk museum, Universitetet i Oslo (Vikingtidsmuseet)
- Inventarnummer
- C55000/187 („Den store seng"); weitere Tierkopf-Bettpfosten: C55000/162, C55000/251, C55000/254; Bettgatter mit Tierkopf: C55000/266
Aus dem Oseberg-Schiffsgrab (Oseberg, ausgegraben 1904/05) stammen Bettpfosten (norw. „sengetiler") aus Buche, deren oberes Ende als geschnitzter Tierkopf gearbeitet ist. Sie gehören zu den Bettgestellen des Grabes — sie sind nicht identisch mit den fünf freistehenden Tierkopfpfosten („dyrehodestolper", z. B. C55000/100), die unter Tierkopf_Oseberg geführt werden (siehe → Abgrenzung).
Alle Maß-, Material- und Inventarangaben unten stammen aus den Katalogtexten des Kulturhistorisk museum, Universitetet i Oslo (Arkeologi), publiziert über DigitaltMuseum; die Katalogtexte sind auf norwegisch verfasst und werden hier wörtlich zitiert.
Die Objekte im Katalog¶
C55000/187 — „Den store seng" (1904 Nr. 207 u. a.)¶
Das große Bett der Grabkammer. Der Katalog beschreibt den Aufbau: zwei Längsseiten und zwei Giebelseiten, zusammengehalten von vier Pfosten, in die die Enden eingezapft waren — und am Kopfende sind diese Pfosten die geschnitzten Tierkopf-Bretter:
„Ved hodegjerdet har disse stolper hat form som firkantede tiler prydet med dyreornamenter."
„Denne er av bøk og er prydet med et dyrehode i øvre ende."
| Maß | Angabe (laut Katalog) |
|---|---|
| Bett-Länge | auf Gustafsons Plan vom 14.9.1904 auf 1,60 m geschätzt |
| Bett-Breite | ebd. 1,80–1,95 m am Kopfende, 2,05 m am Fußende |
| Bettpfosten (rechte „sengetile", Kopfende) | ursprüngliche Länge 1,59 m; Breite unten 45 cm, oben über dem Ohr 46 cm; Dicke ca. 5 cm |
| Bettpfosten (zweite „sengetile") | ursprüngliche Länge ca. 1,59 m; Breite unten ca. 44 cm; Dicke ca. 4 cm |
| Bettboden | 6 „bunnspiler" bzw. Bodenbretter, in die Längsseiten eingezapft |
Bemalung: Der Katalog nennt am Tierkopf schwarze Linien und gelbe Bänder („dels sorte linjer dels gule bånd") sowie ein aufgemaltes Kreuzornament; Teile der Konturlinien waren mit schwarzer Farbe ausgefüllt. Die Deutung dieser Bemalung stammt von Shetelig und ist als solche kenntlich gemacht:
„Shetelig har gjort oppmerksom på at disse malte ornamenter vel oftest er anbragt i magisk hensikt for å beskytte den som lå i sengen likesom de store dyrehodene på sengetilene sikkert har vært anbragt i samme hensikt."
(Sinngemäß: die aufgemalten Ornamente seien wohl meist in magischer Absicht angebracht, um die im Bett Liegende zu schützen — ebenso die großen Tierköpfe der Bettpfosten. Deutung, kein Befund.)
Katalogseite: DigitaltMuseum, C55000/187 „seng"
C55000/162 — Bettpfosten-Fragmente mit Tierkopf (1904 Nr. 33, 52, 164)¶
„Fragmenter av en sengetile av bøk prydet med et utskåret dyrehode i øvre ende."
- Größte Breite des Tierkopfs heute 52,5 cm, heutige Länge ca. 53 cm, Dicke ca. 3,5–4,0 cm
- Unterer Teil des Pfostens fehlt vollständig
- Der Katalog verweist auf die Grundform bei Shetelig, Osebergfundet III, S. 212 Fig. 201
Katalogseite: DigitaltMuseum, C55000/162 „seng"
C55000/251 — Oberes Ende eines Bettpfostens mit Tierkopf (1904 Nr. 29, 68)¶
„Fragment av øvre ende av en sengetile av bøk prydet med ett dyrehode."
- Erhaltene Länge 43,5 cm, größte Breite 24,5 cm, Dicke 3–4 cm
- Kiefer/Maul sorgfältig mit großen spitzen Fangzähnen und je vier Backenzähnen geschnitzt
- Laut Mitteilung von Sofie Krafft trug das Stück oberseits schwarz gemalte Dekoration
- Gefunden in der Einbruchsschicht („innbrudslaget") des Grabraubs
Katalogseite: DigitaltMuseum, C55000/251 „seng"
C55000/254 — Sieben Fragmente eines Bettpfostens (1904 Nr. 40, 51, 55a)¶
„Sengetilen har vært av den fra Osebergfundet velkjente form som er prydet med ett dyrehode i øvre ende sl. Shetelig: Osebergfundet III fig 201-202."
- Kopfpartie sehr schlecht erhalten; Fragment der oberen Partie 43,6 cm lang
- Unterer Teil (drei zusammengehörige Fragmente): 64 cm lang, 40 cm breit, Dicke ca. 4–5 cm
Katalogseite: DigitaltMuseum, C55000/254 „seng"
C55000/266 — „Sengehest" (Bettgatter) mit kleinem Tierkopf (1904 Nr. 97)¶
Ein Gatter aus zwei waagerechten Rippen mit vier eingezapften Querrippen; das rechte Ende der oberen Rippe ist als kleiner geschnitzter Tierkopf gearbeitet:
- Kopf ca. 9,5 × 7,5 cm; Katalog-Wertung: „Det er intet særlig fint arbeide."
- Größte Länge des Gatters 89,5 cm, größte Breite ca. 50 cm
Das zugehörige zweite Gatter C55000/265 ist im Hauptregister ausdrücklich als „den uten dyrehode" (das ohne Tierkopf) vermerkt.
Katalogseiten: C55000/266 · C55000/265
Bettteile ohne Tierkopf¶
Nicht jedes Oseberg-Bett hat Tierkopf-Pfosten. Die Katalogtexte zu C55000/191 („Sheteligs seng"), C55000/182 und C55000/184 nennen keine Tierköpfe; bei C55000/191 und C55000/182 ist die Bespannung der Liegefläche mit Holzstäben („bunnspiler") dokumentiert — dazu ausführlich unter Bett_Gokstad bzw. DigitaltMuseum.
Fundbild¶
Kulturhistorisk museum, Universitetet i Oslo (Arkeologi). Inv. C55000/187. Lizenz CC BY-SA (laut Katalogangabe). Quelle: DigitaltMuseum.
Das Bild zeigt ein hochkantes, oben zu einem Tierkopf ausgeschnittenes Holzbrett: Maul, Auge, Ohr und der eingerollte Nackenaufsatz sind als durchbrochene Schnitzerei gearbeitet; der untere, glatte Teil des Bretts ist fragmentiert und lässt Zapfenlöcher erkennen. Rechts im Bild liegt ein Farb-/Maßstabskeil des Museums.
Einordnung: Wie viele Betten hatten Tierkopf-Pfosten?¶
Die Zahl der Betten im Oseberg-Grab und ihre Verteilung im Schiff gibt die Kulturerbe-Darstellung der Vestfold fylkeskommune an (Oseberghaugen, veröffentlicht 2017, aktualisiert 2025):
„Kvinnene i Oseberghaugen har fått med seg syv senger. Tre av dem sto i forskipet." „Den ene av dem har høye sengestolper med utskårne dyrehoder bemalt i flere farger." „I gravkammeret sto det én stor seng med stolper utskåret som dyrehoder med malte sorte linjer og to mindre senger." „I akterskipet lå to grinder med utskårne dyrehoder som sannsynligvis er del av en seng."
Also: sieben Betten insgesamt, davon eines im Vorschiff mit hohen, mehrfarbig bemalten Tierkopf-Pfosten und das große Bett der Grabkammer mit Tierkopf-Pfosten und schwarz gemalten Linien. Die Aussage der Fylkeskommune zu den zwei Gattern („grinder") des Achterschiffs weicht insofern vom Museumskatalog ab, als dieser für C55000/265 ausdrücklich „den uten dyrehode" vermerkt (siehe oben) — maßgeblich ist hier der Katalog.
Populärvermittelnd stellt das Vikingtidsmuseet den Bezug zu den Zeltstangen her: „Sengestolpane var pynta med dyrehovud som likna på dyrehovuda på det minste teltet." (vikingtidsmuseet.no)
Abgrenzung zu den Tierkopfpfosten (C55000/100 u. a.)¶
| Bettpfosten mit Tierkopf (dieser Eintrag) | Tierkopfpfosten / „dyrehodestolper" (Tierkopf_Oseberg) | |
|---|---|---|
| Katalogbezeichnung | „sengetile" (Bettpfosten/-brett) | „dyrehodestolpe" |
| Funktion | konstruktives Bauteil eines Bettgestells (Längs- und Giebelseiten sind darin eingezapft) | freistehende Objekte, Funktion ungeklärt |
| Anzahl | mehrere, verteilt auf mehrere Betten | fünf |
| Inv.-Nr. (Beispiele) | C55000/187, /162, /251, /254 | C55000/100 („Akademikeren"), C55000/172 („Løvehodet") |
Relevanz für das Reenactment¶
Beleg-Anker für geschnitzte Tierkopf-Enden an Bettpfosten: die Pfosten des großen Osebergbetts sind flache, hochkant stehende Bretter aus Buche (ca. 1,59 m lang, 44–46 cm breit, 4–5 cm dick), deren oberes Ende als durchbrochen geschnitzter Tierkopf gearbeitet und bemalt war. Die Liegeflächen-Konstruktion (Bodenbretter/„bunnspiler") ist davon unabhängig — siehe Bett_Gokstad.
Quellennachweise¶
- DigitaltMuseum — Online-Katalog des Kulturhistorisk museum, UiO: C55000/187, /162, /251, /254, /265, /266
- Kulturhistorisches-Museum_Oslo — verwahrende Institution
- Museum-der-Wikingerzeit_Oslo — Ausstellungshaus (Vikingtidsmuseet)
- Oseberg — Fundort
- Tierkopf_Oseberg — die fünf freistehenden Tierkopfpfosten (anderes Objekt)
- Bett_Gokstad — Schwesterfund (Bettgestelle aus Eiche)
- Sjoevold_1979_Wikingerschiffe_Oslo — Museumsband zu den Osloer Schiffsfunden
- Vestfold fylkeskommune, „Oseberghaugen" (Kulturerbe-Artikel, publ. 2017, akt. 2025)
Offene Aufgaben¶
- Shetelig, Osebergfundet III (Fig. 201–202, S. 212 — Typexemplar der „sengetile" mit Tierkopf) liegt im Archiv nicht vor; Abgleich mit der Originalpublikation steht aus.
- Ursprüngliche Aufbauhöhe der Bettpfosten über dem Boden und die Zuordnung der Einzel-Pfosten (C55000/162, /251, /254) zu konkreten Bettgestellen gehen aus den Katalogtexten nicht eindeutig hervor.
- Ob und in welcher Form die Tierkopf-Bettpfosten in Sjoevold_1979_Wikingerschiffe_Oslo abgebildet sind, ist noch nicht geprüft.