Zum Inhalt

Die Schilde aus dem Gokstad-Fund

Informationen
Überlieferung
Fund
Kategorie
Waffen
Fundort
Gokstad (Sandefjord, Vestfold, Norwegen)
Fundkontext
Grab
Fundlage
Schiffsgrab — Schilde an beiden Bordwänden des Schiffes befestigt
Datierung
ca. 900 n. Chr. (Grablegung)
Material
Holz (Nadelholz; Holzart in der Literatur uneinheitlich); Lederbezug/Randstreifen; eiserner Schildbuckel
Durchmesser
ca. 94 cm (Sekundärliteratur; exakter Wert je Stück variabel — vgl. Gokstad)
Anzahl
in den Quellen unterschiedlich: 32 bzw. 64
Aufbewahrung
Kulturhistorisk museum, Universitetet i Oslo (Vikingtidsmuseet)
Inventarnummer
C-Nummer im Archiv nicht belegt

Am Gokstad-Schiffsgrab (Sandefjord, Vestfold, ausgegraben 1880) waren Rundschilde entlang beider Bordwände des Schiffes angebracht. Sie zählen zu den am besten erhaltenen wikingerzeitlichen Rundschilden und sind eine zentrale Referenz für den Schildbau der Wikingerzeit. Die Angaben hier stammen aus dem Fundort-Eintrag Gokstad, der Grabungspublikation Nicolaysen 1882 und der jüngeren Forschung von Rolf F. Warming (2016, 2023).

Anzahl und Bemalung

Die Quellen sind bei der Stückzahl uneinheitlich — dieser Widerspruch wird hier bewusst offengelassen (Faktentreue):

  • 64 Schilde nennt Warming et al. 2016 mit Verweis auf Nicolaysen 1882:

    „the 64 black and yellow round shields from the Gokstad ship burial, which had been fixed to the side of the ship in alternating colours (Nicolaysen 1882)."

  • 32 Schilde nennt hingegen der Titel/Gegenstand von Warming 2023 („The Viking Age Shields from the Ship Burial at Gokstad") sowie ein Teil der weiteren Sekundärliteratur (vgl. Gokstad).

Die Diskrepanz (32 vs. 64) ist möglicherweise darauf zurückzuführen, dass zusätzlich zu gezählten Schilden noch Fragmente vorliegen; im Archiv ist die Frage nicht abschließend geklärt.

Die Bemalung wird übereinstimmend als abwechselnd schwarz/gelb entlang der Bordwand beschrieben (Warming et al. 2016 „black and yellow … in alternating colours"; vgl. Gokstad).

Konstruktion (was belegt ist)

  • Schildbrett aus Holz (Nadelholz). Die Holzart ist in der älteren Literatur uneinheitlich angegeben (z. B. Tanne/Fichte/Kiefer); die zeitweise im Archiv genannte Angabe „Linde" ist nicht quellenmäßig belegt (vgl. Gokstad).
  • Lederbezug / Randstreifen und ein eiserner Schildbuckel sind in der Sekundärliteratur allgemein erwähnt (Gokstad). Die Typisierung des Schildbuckels (z. B. nach Rygh oder Petersen) ist im Archiv nicht belegt.
  • Tierhaut-Bespannung: Warming et al. 2016 weist darauf hin, dass an mehreren Gokstad-Schilden Nählöcher für eine (segmentweise vernähte) Häute-/Lederbespannung festgestellt wurden — wie beim Schild von Tira (Lettland):

    „Similar perforations for such stitching were also identified on several shields from Gokstad in conjunction with this project, giving reasons to critically question previous ceremonial interpretations of the shields."

Die genaue Bespannung und die verwendete Tierart der Gokstad-Schilde werden in Warming et al. 2016 nicht abschließend bestimmt.

Funktion — Kampf oder Zeremonie (offene Forschungsfrage)

Ob die Gokstad-Schilde im Kampf benutzt wurden oder rein zeremonielle/dekorative Beigaben waren, ist in der Forschung nicht abschließend geklärt:

  • Die Nählöcher für eine Lederbespannung geben nach Warming et al. 2016 Anlass, frühere zeremonielle Deutungen kritisch zu hinterfragen; Warming 2023 nimmt eine Neubeurteilung von Konstruktion und Funktion vor.
  • Der Nachrichtenartikel Gokstad_Holzschilde_Nahkampf (nordisch.info) referiert die These eines aktiven Nahkampf-Einsatzes.
  • Dem steht die eher dekorative Einordnung anderer Quellen gegenüber (vgl. den Hinweis in Gokstad_Holzschilde_Nahkampf).

Quellennachweise

Relevanz für das Reenactment

Beleg-Anker für nachgebaute wikingerzeitliche Rundschilde: Durchmesser um 94 cm, Holzbrett mit Randstreifen und eisernem Schildbuckel, an der Bordwand abwechselnd schwarz/gelb bemalt. Belegt ist zudem eine Häute-/Lederbespannung an mehreren Schilden. Nicht belegt und daher nicht als Fakt zu behandeln sind Holzart („Linde"), die konkrete Buckeltypisierung und die eindeutige Stückzahl (32 vs. 64).