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Klappwaage aus Grab Bj 644, Birka (Arbman, Taf. 126:1a)

Informationen
Kategorie
Handelsgerät
Fundort
Birka – Insel Björkö, Mälarsee, Uppland, Schweden
Fundkontext
Grab
Fundkomplex
Bj644_Birka – Doppelkammergrab, nördlich der Wallburg
Arbman-Tafel
Taf. 126:1a (Rekonstruktionszeichnung)
Datierung
ca. 920–975 n. Chr. (Datierung des Grabes nach Arbman/Morén; jüngste Münze 920/921)
Material
Bronze (Waage samt Schalen), Eisen (Zunge) (Arbman)
Maße
Waagschalen Durchm. ca. 6 cm (Arbman); ein Bronzestäbchen, das wie ein Ersatzteil der Waage aussieht, 4,3 cm lang, Durchm. 0,3–0,4 cm, lag mit der Waage zusammen
Verzierung
Waagschalen mit eingravierter Verzierung, mittels gezwirnter Stofffäden befestigt (Arbman)
Zustand
beschädigt; die Darstellung auf Taf. 126:1a ist eine Rekonstruktionszeichnung Arbmans, nicht der beschädigte Originalzustand
Zuordnung
Fundlage westlich der Schwertspitze, keine Zuordnung zu Mann oder Frau bei Arbman angegeben
Fundzusammenhang
Westlich der Schwertspitze: die Waage lag in einer Holzbüchse (Deckel Taf. 126:1b, mit Eisenniet, evtl. um diesen drehbar); die Büchse stand auf einer Eichenholzschachtel mit Bronzepressblechen (182:27); ein Eisenlöffel (Taf. 151:4) lag direkt auf der Büchse
Aufbewahrung
Statens Historiska Museum (SHM), Stockholm (Birka-Bestand; Inventarnummer im Archiv noch nicht erfasst)

Fundkontext

Fundort Gräberfeld Grab
Birka Hemlanden Bj644_Birka

Bj 644 ist ein Doppelkammergrab (Mann + Frau) der späten Wikingerzeit, datiert ca. 920–975 n. Chr. Die Klappwaage gehört zu einer Gruppe von Beigaben westlich der Schwertspitze, die keinem der beiden Bestatteten eindeutig zugeordnet ist. Nach Gustin 2016 und der Zusammenfassung in Bj644_Birka gilt die im Grab enthaltene Klappwaage mit Schalen und (möglicherweise zugehörigen) Gewichten als Hinweis auf eine Zugehörigkeit der Bestatteten zur handeltreibenden Elite Birkas.

Beschreibung (Arbman 1943, S. 224, wörtlich zitiert)

„Die Fundumstände im übrigen unklar. Von einem Abdruck auf einem Holzfragment, das von einem Büchsendeckel für eine Waage herstammt, kann man feststellen, dass der Löffel direkt auf dieser Büchse lag, was bedeutet, dass die Büchse auf der Eichenholzschachtel gestanden hat. Der Deckel der Büchse, Taf. 126: 1 b, hatte einen Eisenniet und war vielleicht um diesen drehbar. In der Büchse eine beschädigte Waage aus Bronze, Rekonstruktion Taf. 126: 1 a, die Waagschalen, Durchm. etwa 6 cm, mit eingravierter Verzierung und mittels gezwirnter Stofffäden befestigt, die Zunge aus Eisen, ein Bronzestäbchen, das wie ein Ersatzteil der Waage aussieht, 4,3 cm lang, Durchm. 0,3-0,4 cm, lag mit der Waage zusammen."

Zur unsicheren Zugehörigkeit möglicher Gewichte fährt Arbman fort:

„Ob 2 Bronzekugeln (Gewichte?), die eine rund mit einer kleinen Vertiefung, Taf. 126: 3, Durchm. 1,7 cm, die andere bikonisch mit konkaven Flächen, Taf. 126: 4, Durchm. 1,2 cm, und ein stark beschädigtes, bronzeblechbekleidetes Eisengewicht, Taf. 126: 2, Durchm. 1,5 cm, zusammen mit der Waage gefunden wurden, wird nicht erwähnt."

Fundabbildung

Detail-Tafel 126:1a (Arbman, Tafelband) – Bildausschnitt, bereits als Fundvergleich im Inventar-Eintrag Klappwaage eingebunden:

Arbman 1943, Taf. 126:1a – Klappwaage aus Grab Bj 644, Rekonstruktionszeichnung (Bildzitat)

Bezug zu unserem Bestand

Die eigene Klappwaage im Inventar (Klappwaage, art: Stilkopie) orientiert sich in der Grundkonstruktion (klappbarer Balken, zwei an Schnüren/Kettchen hängende flache Schalen) an diesem Fund; die eigene Waage ist jedoch unverziert, während die Schalen des Originals eine eingravierte Verzierung tragen — daher keine Replik. Öffentlich gezeigt als Teil der Handelsausstattung: Handelsausstattung.

Quellennachweise

  • Arbman_1943_Birka_Graeberprimäre Quelle, Grab 644, S. 224, Tafel 126:1a (Volltext im Archiv)
  • Schietzel_2014_Spurensuche_Haithabu – Vergleichsmaterial: Feinwaagen/Klappwaagen aus Haithabu, u. a. vier Klappwaagen in einem Beutel aus dem Hafen (S. 554); allgemeiner Beleg für die Verbreitung des Waagentyps in der Wikingerzeit, kein Bezug zu Bj 644 selbst
  • Gustin_2016_Birka_Finnland – ordnet Bj 644 als eines der artefaktreichsten, „lavishly furnished" Kammergräber Birkas ein
  • Bj644_Birka – vollständiges Grabinventar im Kontext

Relevanz für das Reenactment

  • Konkret datierter und beschriebener Fundbeleg für eine Klappwaage mit Schalen aus einem Elite-Kammergrab der späten Wikingerzeit (ca. 920–975 n. Chr.)
  • Beleg für die Verwahrung einer Waage in einer eigenen Holzbüchse zusammen mit weiterem Gerät (Löffel) auf einer Holzschachtel
  • Fundzusammenhang unterstreicht die Deutung des Grabes als Bestattung einer handeltreibenden Elite
  • Vorbild (Grundkonstruktion) für unsere eigene Klappwaage im Inventar: Klappwaage

Offene Aufgaben / nachzutragen

  • Inventarnummer des Originals aus der Online-Sammlung beschaffen (Bj 644 umfasst laut samlingar.shm.se 86 verknüpfte Objekte; Einzel-Föremålsnummer für die Waage bislang nicht ermittelt)