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Ģūģeru kapulauks (Priekuļi)

Informationen
Fundort
Ģūģeru kapulauks, Priekuļu pagasts, Lettland
Anhöhe
Āra kalns (Anhöhe/Flurname, auf der das Gräberfeld liegt; nur in der Tourismusseite der Gemeinde Priekuļi belegt: „Ģūģeru (Āra kalnā) senkapi", nicht in der Primärpublikation)
Land
Lettland
Region
Vidzeme (Priekuļu novads, bei Cēsis)
Koordinaten
57°18′51″N 25°21′35″E
Genauigkeit der Koordinaten
Ortskoordinate des Dorfes Priekuļi; das Gräberfeld Ģūģeri liegt einige Kilometer entfernt an der Straße P30 — keine fundstellengenaue Koordinate belegt.
Quelle der Koordinaten
Wikipedia (LV), „Priekuļi" (Ortskoordinate des Dorfes): lv.wikipedia.org/wiki/Prieku%C4%BCi, abgerufen 2026-07-14.
Zeitraum
8.–12. Jahrhundert (jüngere Eisenzeit)
Befund
Flachgräberfeld latgallischer Oberschicht; 137 Bestattungen (Grabung 1988/1990) auf 5.270 m²
Ausgrabung
Institut für Geschichte Lettlands, 1988 und 1990 (Rettungsgrabung im Zuge von Verkehrswegebau); frühere Teilgrabungen 1920/1921 (19 Gräber, „Priekuļu Kampas") und 1958 (7 Gräber, „Kalnapiļi")
Kultur
Latgallen (Latgaļi); Grab Nr. 30 als eine der reichsten bekannten latgallischen Bestattungen (frühes 11. Jh.)
Fundtypen
Gräberfeld

Überblick

Der Ģūģeru kapulauks liegt im Priekuļu pagasts bei Cēsis (Vidzeme, Lettland), an der Straße Cēsis–Priekuļi–Vecpiebalga (P30), rund 3 km vom Ortszentrum Priekuļi entfernt (Primärpublikation S. 11: „pie Ģūģeriem (3 km no Priekuļu centra)" – „bei Ģūģeri (3 km vom Zentrum von Priekuļi)"). Es handelt sich um ein latgallisches Flachgräberfeld der jüngeren Eisenzeit (8.–12. Jh.), das zur latgallischen Oberschicht zählende Bestattungen enthält.

Namensformen

Lettisch kapulauks = Gräberfeld, kalns = Berg/Anhöhe — die Formen bezeichnen also nicht dasselbe:

  • Ģūģeru kapulauks = das Gräberfeld selbst; benannt nach dem Hofnamen Ģūģeri. Primärpublikation (Apala–Zariņa 1991, S. 11): „Pēc ceļa būves objekta, pieturvietas un māju nosaukuma tie guva apzīmējumu — Ģūģeru kapulauks." – „Nach dem Straßenbauobjekt, der Haltestelle und dem Hofnamen erhielten sie [die Altgräber] die Bezeichnung — Ģūģeru kapulauks." Die deutsche Zusammenfassung (S. 28) spricht entsprechend von „Bauernhof Gūģeri".
  • Āra kalns = die Anhöhe/Flurlage, auf der das Gräberfeld liegt — belegt allein durch die Tourismusseite der Gemeinde Priekuļi: „Ģūģeru (Āra kalnā) senkapi atrodas Priekuļu novada, Priekuļu pagastā, ceļa Cēsis-Priekuļi-Vecpiebalga (P30) malā, aptuveni 3 km aiz Priekuļiem." – „Die Ģūģeri-Altgräber (auf dem Āra kalns) liegen im Bezirk Priekuļi, Priekuļu pagasts, an der Straße Cēsis–Priekuļi–Vecpiebalga (P30), etwa 3 km hinter Priekuļi." (Āra kalnā ist Lokativ = „auf dem Āra kalns".) In der Primärpublikation kommt der Name nicht vor.
  • „Ģūģeru kalns" (Form einer früheren Fassung dieses Eintrags) ist in keiner geprüften Quelle belegt — weder in der Primärpublikation noch in den online geprüften lettischen Quellen — und wird daher nicht verwendet.
  • Die Autorinnen schlagen in Anm. 7 (S. 27) zudem eine zusammenfassende Bezeichnung mit dem benachbarten Fundplatz vor: „būtu lietderīgi turpmāk šo senvietu apzīmēt kā Kampu—Ģūģeru kapulauku" – „es wäre zweckmäßig, diese Fundstätte künftig als Kampu–Ģūģeru kapulauks zu bezeichnen"; sie nehme ein weites Gebiet ein, das eine natürliche Scheide — eine feuchte Senke mit einer Quelle — teile. Diese Bezeichnung hat sich in den geprüften Quellen nicht durchgesetzt.

Quellen: Apala–Zariņa 1991 (Volltext-Scan im Archiv, S. 11, 27, 28) sowie die Tourismusseite der Gemeinde Priekuļi, „Ģūģeru senkapi (8.-12. gs.)", visit.priekuli.lv/objekts/gugeru-8-12-gadsimta-lidzenais-kapulauks/ (Seite inzwischen offline; zitiert nach dem Internet-Archiv-Schnappschuss vom 12.12.2019: https://web.archive.org/web/20191212121903/http://visit.priekuli.lv/objekts/gugeru-8-12-gadsimta-lidzenais-kapulauks/, abgerufen 2026-07-14).

Bei Verkehrswegebau (nach dem lettischen Haupttext die Begradigung der Straße Cēsis–Vecpiebalga) im Frühjahr 1988 wurden weitere Gräber und Streufunde entdeckt; das Institut für Geschichte Lettlands führte daraufhin 1988 und 1990 Rettungsgrabungen im vom Verkehrswegebau betroffenen Streifen durch (Ausgrabungsfläche 5.270 m²), bei denen 137 Bestattungen freigelegt wurden. Bereits 1920/1921 waren am nahegelegenen Fundplatz „Priekuļu Kampas" 19 Gräber und 1958, ebenfalls im Zuge von Verkehrswegebau, sieben weitere Gräber am „Kalnapiļu"-Hofgelände untersucht worden.

Beleglage: Die Angaben dieses Eintrags stützen sich jetzt auf die Primärpublikation Apala–Zariņa 1991 (siehe Apala_Zarina_1991_Guegeru_Kapulauks, im Archiv als Volltext-Scan vorhanden). Frühere Fassungen dieses Eintrags nannten zusätzlich eine „Kiesgrube" als Ursache der Fundplatz-Störungen (nach Web-Sekundärquellen) — das lässt sich in der Primärpublikation nicht bestätigen.

Widerspruch in der Quelle zum Fundumstand: Der lettische Haupttext spricht von Straßenbau/Wegearbeiten, die deutsche Zusammenfassung (S. 29) dagegen von Bahnarbeiten. Welche Variante zutrifft, ist aus der Publikation nicht zu entscheiden; der Eintrag formuliert den Fundumstand daher neutral als Verkehrswegebau und behauptet keine der beiden Varianten als belegt.

Befunde

Die Rettungsgrabung 1988–1990 legte 137 Bestattungen frei. Im mittleren Drittel des untersuchten Gebiets fand sich 1989 Grab Nr. 30 – die Skelettbestattung eines ca. 40–50 Jahre alten Mannes mit einem der reichsten bekannten latgallischen Waffen- und Trachtinventare: Schwert (Typ V nach Petersen), Speer, Wurfspeer, Axt, ein 49 cm langes Kampfmesser (Inv. VI 291:378), verzierte Tracht, Brettchenband-Gürtel und ein Geldbeutel mit sechs Dirhams. Die Kombination aus Waffen, Schmuck und Münzen datiert das Grab in die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts. Näheres siehe Apala_Zarina_1991_Guegeru_Kapulauks.

Erfasst ist das Kampfmesser/Langmesser aus Grab 30; ein von der Reenactment-Forschung (Vlasatý) zusätzlich genanntes Langmesser aus Grab 42 ist in der vorliegenden Primärpublikation nicht im Detail beschrieben (siehe Langmesser_Priekuli_Gugeri_Lettland).

Bedeutung für das Reenactment

  • Fundort der realen Fundgruppe latgallischer Langmesser/Saxe, die als Vorbild der eigenen Ausstellungsreplik Sax_Karbonstahl dient (Händlerangabe, durch diesen Fundort plausibilisiert und nun primärquellenbasiert für Grab 30 belegt).
  • Museal dokumentierter Waffensatz eines hochrangigen latgallischen Kriegers (frühes 11. Jh.) als Referenz für Bewaffnung und Tracht des ostbaltischen Raums.

Verknüpfte Funde

Verknüpfte Literatur

Abhandlungen