Zum Inhalt

Thorsberg (Thorsbjerg)

Informationen
Fundort
Thorsberg
Auch bekannt als
Thorsbjerg
Land
Deutschland
Region
Schleswig (bei Süderbrarup, Landschaft Angeln)
Koordinaten
54°38′32.2″N 9°46′18.8″E
Genauigkeit der Koordinaten
Bezieht sich auf das Thorsberger Moor (Opferplatz/Fundstelle); bogensekundengenau.
Quelle der Koordinaten
Wikipedia – Thorsberger Moor, de.wikipedia.org/wiki/Thorsberger_Moor
Zeitraum
Niederlegungen wahrscheinlich ca. 100 v. Chr. bis Anfang des 5. Jh. n. Chr.; über 90 % der Funde aus dem 3. und 4. Jh.
Quelle des Zeitraums
Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte – Thorsberger Moor, geschichte-s-h.de/sh-von-a-bis-z/t/thorsberger-moor ; Wikipedia – Thorsberger Moor, de.wikipedia.org/wiki/Thorsberger_Moor
Ausgrabung
1858–1861 durch Helvig Conrad Engelhardt (Lehrer aus Flensburg)
Aufbewahrung
Archäologisches Landesmuseum Schleswig (Schloss Gottorf) sowie Nationalmuseum Dänemark (Kopenhagen)
Anzahl Funde
ca. 1.800 (aus Buntmetall, Edelmetallen, Holz, Leder, Keramik)
Erhaltung
Eisen- und Knochenobjekte aufgrund des sauren pH-Werts nicht erhalten
Fundtypen
Moorfund, Opferfund

Überblick

Thorsberg (dänisch: Thorsbjerg) bei Süderbrarup in der Landschaft Angeln (Schleswig-Holstein) ist eine der bedeutendsten Moorfundstätten Nordeuropas. Im Moor wurden in mehreren Phasen von der Bevölkerung der Angeln Votivopfer niedergelegt — „wahrscheinlich von 100 vor Christus bis zum Anfang des 5. Jahrhunderts", wobei „über 90 Prozent […] aus dem 3. und 4. Jahrhundert" stammen (nach Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte – Thorsberger Moor). Die deutsche Wikipedia nennt denselben Rahmen: „Im Zeitraum vom 1. Jahrhundert v. Chr. bis zum frühen 5. Jahrhundert n. Chr. wurden im Thorsberger Moor […] in mehreren Phasen Gegenstände geopfert" (Wikipedia – Thorsberger Moor).

Hinweis zur Datierung: Die zuvor hier geführte Angabe „Schwerpunkt um 200 n. Chr. / Niederlegungen über ca. 4 Jahrhunderte" ist nicht belegt. Sie geht auf die englische Wikipedia zurück, deren Einleitung von „approximately four centuries" spricht, während ihr eigener Fließtext „The deposits were made from approximately 100 BC to 500 AD" nennt und lediglich festhält, dass nach ca. 200 n. Chr. die Waffenniederlegungen zunahmen (Wikipedia – Thorsberg moor). Maßgeblich sind daher die oben zitierten deutschsprachigen Angaben.

Hinweis zur Epochen-Einordnung: Das Frontmatter nennt bewusst absolute Jahreszahlen statt eines Epochen-Labels. In der nordeuropäischen Eisenzeit-Chronologie umfasst die Römische Kaiserzeit (Römische Eisenzeit) für Norddeutschland die „Ältere Römische Kaiserzeit (30/60 v. Chr.–160 n. Chr.)" und die „Jüngere Römische Kaiserzeit (160–375 n. Chr.)", gefolgt von der „Germanische[n] Eisenzeit (Völkerwanderungszeit) (375–455 n. Chr.)"; für Dänemark „Römische Eisenzeit (Römische Kaiserzeit) (1–375 n. Chr.)" (Wikipedia – Eisenzeit, Abschnitt Nordeuropa). Das 3. und 4. Jh. — der Fundschwerpunkt — liegt darin also noch in der Römischen Kaiserzeit (anders als in der althistorischen Zählung, die die Kaiserzeit mit 284 n. Chr. enden lässt). Die Niederlegungen beginnen jedoch schon in der vorrömischen Eisenzeit und reichen bis ins frühe 5. Jh., also über die Kaiserzeit hinaus — eine einzelne Epochenbezeichnung deckt den Zeitraum daher nicht ab.

Befunde

Tracht und Textilien

  • Erhaltene Wollkleidung: Hosen mit angestrickten/angenähten Füßlingen („Thorsberger Hose"), Mäntel/Umhänge
  • Wichtige Quelle für germanische Tracht der römischen Kaiserzeit

Waffen und Ausrüstung

  • Silberne Gesichtsmaske eines römischen Helms
  • Zwei vergoldete Zierscheiben
  • Schildbuckel und Schildbeschläge (Eisen ist allerdings im sauren Moor nicht erhalten, viele Schildbestandteile sind nur indirekt belegt)
  • Ortband (Schwertscheidenende) mit Elder-Futhark-Runeninschrift („Thorsberg-Ortband") – eine der ältesten bekannten Runeninschriften überhaupt
  • Hinweis: Die zuvor im Archiv genannte Formulierung „Langschwert mit Runeninschrift" war ungenau – die Inschrift befindet sich auf dem Ortband, nicht auf der Klinge.
  • Münzen
  • Persönliche Ausrüstung von Kriegern

Schmuck und Alltagsgegenstände

Im Detail aus den vorliegenden Quellen nicht aufgeschlüsselt; eine vollständige Aufstellung sollte aus den Engelhardt-Publikationen und dem Bestand des Landesmuseums Gottorf übernommen werden.

Bedeutung für das Reenactment

  • Primärquelle für eisenzeitliche/frühmittelalterliche Tracht in Nordeuropa
  • Schildkonstruktion: Thorsberg-Schilde dienen als frühe Referenz für Nordeuropäische Schildtradition
  • Textilanalysen liefern genaue Angaben zu Wolle, Färbung und Webtechnik

Verknüpfte Literatur

Abhandlungen