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Wohnen, Lager & Schlafkammer

Dieses Zelt steht hier symbolisch für die Schlafkammer eines Langhauses, nicht für den Wohnbereich – unser Lager ist eine pädagogische Plattform, kein exakter Nachbau. Historisch sind Zelte aus der Wikingerzeit kaum belegt. Funde aus Schiffsgräbern wie Oseberg (834) und Gokstad (um 900) enthalten Holzstangen und Textilreste, die wahrscheinlich zu Zelten gehörten. Ein sicher belegter Zelttyp taucht erst im 11. Jahrhundert auf – das sogenannte Normannenzelt. Aus Gokstad stammen außerdem zwei Paar Eichenplanken mit geschnitzten Tierkopf-Enden, die der Ausgräber als gekreuzt gestellte Windbretter des Schiffszeltes deutete (Zelt-Windbretter mit Tierkopf-Enden).

In Wirklichkeit lebten die meisten Menschen in festen Langhäusern aus Holz, Lehm und Torf, in denen Familie und Tiere unter einem Dach untergebracht waren – Rekonstruktionen kann man unter anderem in Borg auf den Lofoten oder in Haugesund besichtigen. Sie waren zentraler Lebenspunkt. Das Zentrum bildeten Feuerstelle und Baldachin – hier wurde gekocht, gewohnt, gearbeitet und zusammen gegessen.

Funfact

Die rekonstruierten Häuser in Haithabu (erbaut 2005–2008 auf Originalgrundrissen) sind ein „archäologisches Langzeitexperiment" — nach knapp 20 Jahren musste 2025/26 das erste kernsaniert werden. Genau das zeigen auch die Grabungsbefunde: Wikingerzeitliche Häuser hielten ohne ständige Reparatur nur 10–20 Jahre (Wikinger Museum Haithabu).

Im Inneren sehen Sie unsere Betten, die auf Gestellfunden aus der Wikingerzeit basieren, etwa aus dem eben schon erwähnten Gokstad-Schiff. Dort lagen Teile von vermutlich fünf Betten aus Eiche – zerlegbar, mit Eckpfosten von 70–75 cm Höhe (Betten aus dem Gokstad-Fund). In den Seitenbrettern sitzen dabei zwei verschiedene Öffnungsformen: bei dem einen Bett längliche Nuten, bei einem anderen runde Bohrlöcher – und ein Bettstück aus der Grabkammer hat sogar beides. Womit die Öffnungen gefüllt waren, schreibt der Ausgräber nicht.

Genauer weiß man es aus dem Oseberg-Fund: dort steckten in den runden Löchern Holzstäbe, kreuzweise zu einem Gitter geflochten und mit Keilen gesichert – sie lagen bei der Ausgrabung noch an Ort und Stelle.

Schmuck war an solchen Betten durchaus möglich: In Oseberg sind Bettpfosten aus Buche belegt, deren oberes Ende als geschnitzter, bemalter Tierkopf gearbeitet ist (Bettpfosten mit Tierkopf-Enden aus Oseberg), und auch aus Gokstad kennt man zwei Planken mit durchbrochen geschnitztem Tierkopf-Ende, die der Katalog als Pfosten am Kopfende eines Bettes anspricht (Tierkopf-Bettpfosten aus Gokstad). Die Gokstad-Bettgestelle selbst sind dagegen schlicht gearbeitet.

Unser Bett hat die runden Löcher, aber eine durchgeflochtene Schnur – eine bewusste Entscheidung, kein Fundbefund: Ein Seil ist praktisch und schnell aufgerollt. Schon der alte Museumskatalog zu den Gokstad-Bettteilen hat mit dem Gedanken gespielt („vielleicht war da nur ein Tau") – belegt hat er ihn nicht. Umgekehrt spricht für das Stabgitter eine schlichte Handwerksüberlegung: ein paar Holzstäbe sind ungleich einfacher herzustellen als ein sehr langes, gleichmäßiges Seil.

Funfact

Die Oseberg-Grabkammer war wie ein Schlafraum ausgestattet — Bett mit Daunendecken, über 80 Bildteppich-Fragmente an den Wänden, dazu fünfzehn verschiedene Seidenstoffe aus Zentralasien und dem östlichen Mittelmeerraum (Vikingtidsmuseet Oslo).

Die Truhen mit Ornamenten sind inspiriert von Funden aus Oseberg, Jelling und Dublin. Solche Truhen waren wichtige Möbelstücke: Sie dienten als Aufbewahrungsort für Kleidung und Werkzeuge, gleichzeitig als Sitz und – je nach Ausführung – auch als Statussymbol. Auffällig ist die konische Form mancher Truhen – ihr Beleg-Anker ist die „Seekiste" aus dem Hafen von Haithabu (Kalmring 2010); dass die Form stabiler und transportfreundlicher war, ist allerdings eine Plausibilitätsüberlegung, keine belegte Funddeutung.

Funfact

Die Haithabu-„Seekiste" selbst erzählt eine kleine Kriminalgeschichte: eine Eichentruhe mit trapezförmigen Wänden, das Schloss abgerissen, mit Steinen gefüllt im Hafen versenkt — wohl beraubt und entsorgt (Kalmring 2010).

→ In der Ausstellung: Hausrat (Eichentruhe im Haithabu-Typ, Holzmörser, S-Haken)