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Handwerk, Metall & Waffen

Handwerk in der Wikingerzeit war mehr als nur das Herstellen von Dingen – es war die Grundlage für Alltag, Handel und Status. In kleineren Siedlungen wurde vieles im eigenen Haushalt produziert. In größeren Orten wie Haithabu gab es dagegen Bereiche, in denen sich Handwerker auf bestimmte Tätigkeiten spezialisierten. Solche Werkstattzonen lassen sich archäologisch nachweisen, zum Beispiel durch Schlacke aus der Metallverarbeitung, Holzspäne oder Reste der Textilproduktion.

Funfact

Die Mästermyr-Kiste (Gotland, 1936 beim Pflügen gefunden, heute im Historiska Stockholm) ist der größte Werkzeugfund der Wikingerzeit — Schmiede- und Zimmermannswerkzeug in einer Eichentruhe, in der Form heutigem Werkzeug verblüffend ähnlich.

Auch die Funde selbst zeigen das handwerkliche Können. In Haithabu und Birka wurden fein gearbeitete Kämme aus Geweih gefunden, die aus mehreren Teilen zusammengesetzt und oft verziert waren. Textilfunde und Webgewichte zeigen, wie aufwendig die Herstellung von Stoff war. Jeder Faden musste zuerst gesponnen und anschließend gewebt werden.

Funfact

85–90 % der untersuchten Haithabu-Kämme des 9. Jahrhunderts bestehen aus Rentiergeweih — Rentiere gab es dort nicht: Die Kämme kamen fertig aus Nordskandinavien, ein Beleg für Arktis-Fernhandel schon um 800, passend zum Bericht des Nordlandkaufmanns Ohthere (Ashby et al. 2023).

Im Bereich Metall gibt es aufwendig verzierte Schmuckstücke und hochwertige Klingen, die zeigen, wie präzise gearbeitet wurde. Solche Gegenstände waren nicht nur nützlich, sondern auch ein Zeichen von Können und Status. Diese Qualität machte viele Produkte zu gefragten Handelswaren, die über weite Entfernungen verbreitet wurden. Handwerk war damit nicht nur notwendig, sondern ein Bereich, in dem sich Können, Erfahrung und gesellschaftliche Stellung zeigen konnten.

Metallverarbeitung war dabei ein anspruchsvolles Handwerk, das spezielles Wissen und Erfahrung erforderte. Eisen wurde meist aus Raseneisenerz gewonnen und in sogenannten Rennöfen verhüttet. Dabei entstand ein Rohmaterial, das durch wiederholtes Erhitzen und Schmieden weiterverarbeitet werden musste. Archäologische Funde aus Orten wie Haithabu zeigen Werkstattbereiche mit Schlacke, Werkzeugen und Produktionsresten. Sie belegen, dass es spezialisierte Schmiede gab, die sich auf Metallverarbeitung konzentrierten.

Schwerter

Bei den Waffen fällt auf, dass der Speer am häufigsten vorkommt. Er war vergleichsweise einfach herzustellen und vielseitig einsetzbar. Auch Äxte wurden sowohl als Werkzeug als auch als Waffe genutzt. Schwerter hingegen waren deutlich aufwendiger. Einige Klingen wurden aus mehreren Stahllagen zusammengeschweißt, um Stabilität und Elastizität zu kombinieren. Solche Techniken zeigen ein hohes Maß an handwerklichem Können. Ein Beispiel dafür sind die sogenannten Ulfberht-Klingen, die sich durch ihre Materialqualität auszeichnen.

Unser Ulfberht-Schwert ist eine Stilkopie im Stil des Fundes aus Gnezdovo mit Klingeninschrift und Gefäß vom Petersen-Typ E1 — Fundbeleg: Ulfberht_Schwert_Gnezdovo_C15 (Gnezdovo); zu den Ulfberht-Klingen Stalsberg 2008.

Einordnung

Zur populären TV-These vom „Wunderstahl" aus orientalischem Tiegelstahl: Neuere metallurgische Untersuchungen (Petri 2019) fanden in keiner untersuchten Ulfberht-Klinge Tiegelstahl — es ist hervorragend verarbeiteter europäischer Stahl. Das Weser-Ulfberht von Großenwieden weist per Blei-Isotopie ins Rhein-Lahn-Gebiet; Herstellung „am ehesten Lorsch oder Fulda" (Leibniz Universität Hannover).

Funfact

Es gab schon damals Markenpiraterie: Von rund 170 bekannten Ulfberht-Klingen trägt nur ein Teil die „korrekte" Signatur +VLFBERH+T; Falschschreibungen wie +VLEBERHIT aus schlechterem Stahl gelten als zeitgenössische Fälschungen (Stalsberg 2008). Wer nicht lesen konnte, merkte es erst im Kampf. Dabei stand der Export fränkischer Waffen an die Nordmänner ab 864 (Edikt von Pîtres) unter Todesstrafe — die vielen fränkischen Klingen in Skandinavien zeigen, wie gut das Embargo funktionierte.

Unser „Königsschwert" ist eine Stilkopie im Stil der karolingischen Prachtschwerter aus dem Bootkammergrab von Haithabu — Fundbeleg: Schwert_Bootkammergrab_Haithabu (Bootkammergrab_Haithabu, Haithabu); vgl. Schietzel 2014 und zur Schwertforschung Martens 2021.

Saxe

Kuratierte Übersicht mehrerer Saxe (einschneidige Kurzschwerter/Hiebmesser) in verschiedenen Ausführungen — von der blanken Langklinge über eine geschmiedete Klinge mit Beinring bis zur Damastklinge mit Geweihgriff. Handwerklich gefertigte Werkstücke ohne konkret zugewiesenes Fundvorbild.

Äxte & Stangenwaffen

Kuratierte Zusammenstellung von Nahkampf- und Wurfwaffen verschiedener Typen: eine bärtige Axt, eine fränkische Wurfaxt (Franziska, morphologisch merowingerzeitlich, ca. 5.–7. Jh.) und eine karolingische Flügellanze (Form ab ca. 8./9. Jh.). Stilkopien/Werkstücke ohne konkret zugewiesenen Einzelfund (zu den Waffentypen vgl. Arbman 1943; Schietzel 2014; Roesdahl 1992).

Kampf & Status

Darstellungen zeigen Kämpfe oft als ungeordnetes Aufeinandertreffen großer Gruppen. Archäologische Funde und Vergleiche mit anderen frühmittelalterlichen Kriegern sprechen jedoch eher für ein kontrollierteres Vorgehen. Schilde – erhalten etwa am Gokstad-Schiff – spielten eine zentrale Rolle für den Schutz, und Waffen wie Speere ermöglichten Kämpfe auf Distanz. Kämpfe bestanden daher wahrscheinlich weniger aus einem direkten Ansturm, sondern eher aus vorsichtigem Vorgehen, Abwarten und gezielten Angriffen.

Viele Waffenfunde stammen aus Gräbern. Das deutet darauf hin, dass sie nicht nur im Kampf verwendet wurden, sondern auch eine symbolische Bedeutung hatten und den sozialen Status widerspiegelten. Kampf war Teil der Wikingerzeit – doch die Funde zeigen, dass er eng mit Handwerk, Technik und gesellschaftlicher Stellung verbunden war.

→ In der Ausstellung: Messer · Pfrieme