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Die skandinavischen Völker

Wenn wir von „den Wikingern" sprechen, vereinfachen wir oft stark. Tatsächlich handelte es sich um verschiedene Gruppen aus Skandinavien, die unterschiedliche Wege gingen — grob gesagt: die Dänen nach Westen, die Norweger über den Nordatlantik, die Schweden nach Osten. Die Karte zeigt, wie weit dieses Netz aus Heimatgebieten, Landnahmen und Fahrtrouten am Ende reichte — von Neufundland bis zum Schwarzen Meer.

Karte: Züge, Landnahmen und Siedlungsgebiete der Nordmänner während der Wikingerzeit, 800–1050 Züge, Landnahmen und Siedlungsgebiete der Nordmänner (800–1050): Heimatgebiete (dunkelblau), Eroberungen und Landnahmen (hellblau), dazu Fahrtrouten mit Jahresangaben. Die Legende der Karte mahnt selbst zur Vorsicht: Etliche Jahreszahlen stammen aus historischen, teils bisher nicht überprüfbaren mittelalterlichen Quellen. (Karte: Mediatus, CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons)

Die Dänen — nach Westen

Die Dänen orientierten sich vor allem nach Westen und waren in England und Frankreich aktiv. In England blieb es nicht bei Raubzügen: Nach dem Friedensvertrag zwischen König Alfred und dem Dänenführer Guthrum (um 880) galt in Nord- und Ostengland — Northumbria, East Anglia und Teilen Mercias — dänisches und norwegisches Recht: das Danelag. Skandinavische Siedler und Engländer wurden darin rechtlich gleichgestellt, und die Siedler behielten lange eine gewisse Autonomie; 1016 wurde mit Knut dem Großen schließlich ein Däne König von ganz England (Store norske leksikon). Am Ende der Wikingerzeit herrschte der dänische König zeitweise über Dänemark, England und Norwegen zugleich (Nationalmuseet).

In Frankreich erhielt der Wikingerführer Rollo mit dem Vertrag von Saint-Clair-sur-Epte ein Gebiet an der Seinemündung — aus den dort sesshaft gewordenen „Nordmännern" wurden die Normannen (→ Ende der Wikingerzeit).

Funfact

Das Danelag hat Spuren bis in die heutige englische Sprache hinterlassen — Wörter wie law, window oder sogar das Pronomen they stammen aus dem Altnordischen (→ Sprachspuren & Redewendungen).

Die Norweger — über den Nordatlantik

Die Norweger fuhren über den Nordatlantik. Schon um 800 setzten sich Nordmänner auf den Orkney-Inseln fest, in den 840er-Jahren gründeten Norweger Dublin, und zwischen etwa 870 und 920 wurde Island besiedelt (Store norske leksikon). Von dort ging es weiter nach Grönland — und um das Jahr 1000 erreichte Leif Eriksson schließlich die Küste Nordamerikas, die er „Vinland" nannte; schon vor ihm hatte Bjarni Herjólfsson auf einer Irrfahrt unbekannte Küsten im Westen gesichtet (Store norske leksikon).

Funfact

Dass die Nordmänner wirklich in Amerika waren, ist seit den 1960er-Jahren archäologisch bewiesen: Der Norweger Helge Ingstad entdeckte 1960 an der Nordspitze Neufundlands die überwachsenen Ruinen von L'Anse aux Meadows; seine Frau, die Archäologin Anne Stine Ingstad, grub 1961–1968 acht Hausgrundrisse aus, darunter Langhäuser nordischen Typs und eine Schmiede. Eisenverarbeitung und C-14-Datierungen um das Jahr 1000 sichern den Befund — es ist bis heute der einzige bestätigte nordische Siedlungsplatz in Nordamerika. Ob es dort wirklich „Weintrauben" gab, wie die Sagas erzählen, ist dagegen bis heute umstritten (Store norske leksikon).

Die Schweden — nach Osten

Menschen aus dem heutigen Schweden zogen vor allem „in den Osten": über Ladoga- und Onegasee zur Wolga und über den Dnjepr zum Schwarzen Meer und weiter nach Byzanz (Store norske leksikon). An diesen Flussrouten lagen Handelsplätze wie Staraja Ladoga (→ Handel & Raubzüge) oder die slawisch-warägische Siedlung Gnezdovo am Dnjepr, eine Station der „Route von den Warägern zu den Griechen". Im Osten wurden die Skandinavier als Rus bekannt – von ihnen leitet sich möglicherweise der Name „Russland" ab – und spielten eine wichtige Rolle im Handel zwischen Nord und Ost.

Als Waräger dienten skandinavische Krieger — die meisten aus Schweden — in der Rus und in Byzanz: 839 sind erstmals skandinavische Besucher in Konstantinopel dokumentiert, 988 wurden 6.000 Waräger aus der Rus nach Byzanz entsandt, und die Warägergarde wurde zur Eliteeinheit des byzantinischen Kaisers (Store norske leksikon).

Funfact

Der bekannteste Waräger ist ein Norweger: Harald Sigurdsson — später König Harald Hardråde — kam 1034 nach Konstantinopel und brachte es bis zum Befehlshaber der Warägergarde (Store norske leksikon). Es ist derselbe Harald, dessen Tod bei Stamford Bridge 1066 heute als symbolisches Ende der Wikingerzeit gilt (→ Ende der Wikingerzeit).

Trotz dieser Unterschiede verband die Gruppen eine gemeinsame Kultur – doch ihre Wege und Einflüsse waren vielfältig.