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Schiffe & Navigation

Ohne Schiffe wären die Wikinger nicht denkbar gewesen. Sie waren das Herz ihrer Kultur, denn nur mit ihnen konnten Handel, Raubzüge und weite Reisen stattfinden.

Es gab unterschiedliche Schiffstypen: Die schmalen, schnellen Langschiffe waren für Kriegszüge und Raubfahrten gedacht. Heute nennt man sie oft „Drakkar" – das Wort klingt nordisch, ist aber eine französische Erfindung des 19. Jahrhunderts (erstmals 1840 belegt); die Wikinger selbst nannten ein Schiff mit Drachenhaupt poetisch dreki. Breitere Schiffe, sogenannte Knorr, dienten dem Handel und Transport, sie konnten viel mehr Fracht aufnehmen.

Berühmte Funde wie das Oseberg-Schiff zeigen uns prunkvoll verzierte Bestattungsschiffe, während das Gokstad-Schiff ein robustes Reisefahrzeug war. Die Skuldelev-Schiffe aus Dänemark belegen eine ganze Bandbreite verschiedener Typen – von kleinen Küstenseglern bis zu großen Hochseeschiffen.

Funfact

Das Oseberg-Schiff ist per Jahresring-Analyse auf 834 datiert, gebaut wurde es aber schon um 820 — es fuhr also rund anderthalb Jahrzehnte zur See, bevor es Grab wurde (Bonde & Christensen 1993). Die fünf Skuldelev-Schiffe wurden absichtlich versenkt, um die Fahrrinne nach Roskilde zu sperren — vorher ausgeräumt und mit Steinen gefüllt. Das größte von ihnen (Skuldelev 2, 30 m, 65–70 Mann) wurde laut Jahresring-Analyse um 1042 bei Dublin gebaut: ein irisches Wikingerschiff, das in einem dänischen Fjord endete (Vikingeskibsmuseet Roskilde).

Zur Navigation nutzten die Seeleute Landmarken an den Küsten, den Stand der Sonne und die Sterne. In isländischen Sagas werden sogenannte Sonnensteine erwähnt, mit denen man die Sonne auch bei bewölktem Himmel finden konnte – ob das wirklich genutzt wurde, ist bis heute umstritten. Ähnlich umstritten ist die Deutung der Holzscheibe von Uunartoq (Grönland, gefunden 1948) als Sonnenkompass – ursprünglich wurde sie als Zierobjekt angesprochen.

Funfact

„Raben-Flóki" soll laut Landnámabók drei Raben zur Islandsuche mitgenommen haben — die Landnámabók ist aber eine Kompilation des 13. Jahrhunderts mit auffälliger Noah-Parallele; belegt ist nur, dass man es sich so erzählte. Und „Land in Sicht!" bedeutete für Wikinger meist Rettung – denn ohne Landmarken war das offene Meer gefährlich.

Schiffe waren weit mehr als nur Transportmittel. Sie ermöglichten es, dass Menschen aus Skandinavien bis nach Island, Grönland und sogar Nordamerika gelangten (→ Die skandinavischen Völker). Heute kann man Nachbauten in Roskilde oder Ribe in Dänemark besichtigen und damit ein Stück Wikingerwelt erleben.

Funfact

Der Roskilder Nachbau „Sea Stallion" (Skuldelev 2) kostete 27.000 Arbeitsstunden, 150 m³ Holz und 400 kg Eisen — und erreichte 2007 unter Segel bis zu 17 Knoten, unter Riemen nur gut 4. Das Segel war der teuerste Teil des Schiffs: Für das 90-m²-Wollsegel des Nachbaus „Ottar" (Skuldelev 1) brauchte es Wolle von bis zu 200 Schafen und 7.850 Stunden Webarbeit — viereinhalb Personenjahre (Vikingeskibsmuseet Roskilde).