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Ende der Wikingerzeit

Die Wikingerzeit endete nicht mit einem großen Knall, sondern allmählich. Im Laufe des 11. Jahrhunderts wandelte sich Nordeuropa: Die Christianisierung war abgeschlossen, Könige setzten sich als Alleinherrscher durch, und der Alltag wurde stärker durch neue Gesetze und Machtstrukturen geprägt.

Auch die äußeren Umstände änderten sich: Burgen, befestigte Städte und organisierte Heere in England, Frankreich oder im Heiligen Römischen Reich machten Raubzüge immer schwerer und gefährlicher. Zugleich wandelte sich der Handel – statt Hacksilber setzte sich die Münzwirtschaft durch, und die großen Handelswege lagen zunehmend unter Kontrolle der neuen Königreiche. Alte Zentren wie Haithabu verloren an Bedeutung; die Wikingerzüge nahmen im 11. Jahrhundert stark ab, der Handel selbst aber blieb bestehen.

Am 25. September 1066 kam es zur Schlacht von Stamford Bridge in England. Dort wurde Harald Hardråde, König von Norwegen, mit seinem Heer besiegt. Dieser Kampf gilt als der letzte große Wikingerzug – und sein Scheitern markiert symbolisch das Ende der Epoche.

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Laut Angelsächsischer Chronik kam Hardråde mit rund 300 Schiffen — für die Überlebenden reichten 24 zur Heimfahrt (Chronik-Zahlen als Größenordnung, nicht als exakte Statistik). Und der berühmte einsame Axtkämpfer, der allein die Brücke hält, bis ihn ein Engländer von unten durch die Planken aufspießt, steht erst in einem Zusatz des 12. Jahrhunderts zur Chronik — Legende, keine gesicherte Tatsache.

Nur wenige Wochen später, am 14. Oktober 1066, fand die berühmte Schlacht von Hastings statt. Hier kämpften jedoch keine Wikinger mehr, sondern ihre Nachfahren: die Normannen. Herzog Wilhelm, später ‚der Eroberer' genannt, besiegte den englischen König Harald Godwinson. Die Normannen waren Nachkommen skandinavischer Siedler in der Normandie, die durch Rollo mit dem Vertrag von Saint-Clair-sur-Epte gegründet wurde. Sie waren längst christianisiert und Teil der feudalen Welt Europas.

Damit sehen wir, wie Geschichte ineinandergreift: Mit Stamford Bridge enden die klassischen Wikingerzüge, während mit Hastings eine neue Epoche beginnt. Der Teppich von Bayeux – ein rund 70 Meter langes Stickwerk, entstanden um 1070 – zeigt diese Ereignisse eindrucksvoll und macht die Übergangszeit vom Zeitalter der Wikinger zum Hochmittelalter sichtbar.

Der Teppich von Bayeux in ganzer Länge — rund 68 m Wollstickerei auf Leinen (gemeinfrei, PD-Art; Wikimedia Commons, Zusammensetzung: Antonsusi, Ursprungsquelle Bibliotheca Augustana)

Funfact

Fürs erwachsene Publikum: Der Oxford-Mediävist George Garnett hat die Penisse im Teppich von Bayeux gezählt — 93, davon 88 bei Pferden. Die drei größten markieren Status: Das best-„ausgestattete" Streitross gehört Wilhelm dem Eroberer vor Hastings, das zweitgrößte Harold Godwinson. Spätere Kopien des 19. Jahrhunderts zensierten diese Details als anstößig (Garnett/Univ. Oxford).

Ganz vorbei war die Angst freilich nicht: Die Skuldelev-Schiffssperre vor Roskilde wurde noch Jahre nach der ersten Versenkung verstärkt — auch nach dem „Ende" der Wikingerzeit fürchtete man Überfälle von See so sehr, dass man fünf Schiffe opferte, um die eigene Königsstadt abzuriegeln. Das Ende war kein Schlussstrich, sondern ein Ausklingen (Vikingeskibsmuseet Roskilde).