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Kleidung & Schmuck

Die Kleidung der Wikingerzeit war vielschichtig und funktional – und sie sagt uns heute viel über Alltag, Status und Handel. Als Grundmaterial diente vor allem Wolle, die wärmte und sogar wasserabweisend war. Daneben nutzte man Leinen aus Flachs – kühlend, glatt, antibakteriell und leicht zu waschen. Typisch war das Schichtenprinzip: Unterkleidung aus Leinen, darüber Wolltunika oder -kleid, und bei Kälte mehrere Lagen plus Umhänge. So konnte man sich flexibel an das Wetter anpassen – und gleichzeitig blieb die Kleidung hygienisch, da die Leinenunterkleidung regelmäßig gewaschen werden konnte.

Die Stoffe wurden von Hand hergestellt: Flachs wurde zu Leinen gesponnen, Schafwolle gewaschen, gekämmt, gesponnen und auf dem Gewichtswebstuhl verwebt. Kleidung war kostbar, sie wurde gepflegt, repariert und sogar im Testament vererbt.

Funfact

Textilpflege war Prestige: Zur reichen Frauenausstattung gehörten Glättglas und Glättbrett aus Walknochen — die „Bügeleisen" der Wikingerzeit. Das prunkvoll geschnitzte Brett aus dem Bootsgrab von Scar (Orkney) zeigt keinerlei Abnutzung, war also wohl eher Statussymbol als Arbeitsgerät (Orkney Museum).

Bekleidung

Kuratierte Zusammenstellung unserer Gewandungs-Stücke: ein handgewebtes Brettchengewebe-Band (Tresse) mit farbig abgesetzten Kettfäden und mehrfarbigem Fransenabschluss, ein brauner, dicht mit quadratischen Messing-Zierbeschlägen besetzter Ledergürtel mit Flechtband-verzierter Schnalle und langer, ornamentierter Riemenzunge sowie eine blaue Kappe mit eingewebtem Fischgrätmuster (Material Baumwolle — eine moderne Adaption, periodengerecht wäre Wolle). Zur Gewandung gehören außerdem eine Hose im Thorsberg-Schnitt (das namengebende Fundstück aus dem Thorsberger Moor stammt aus der römischen Kaiserzeit, ist also älter als die Wikingerzeit — der Schnitt wird im Reenactment verbreitet weiterverwendet), Wadenwickel (Winingas) und ein weiterer Ledergürtel mit gepunztem Muster, dessen Schnallenform mit der Gürtelschnalle aus Frøyland vergleichbar ist. Stilkopien ohne konkret zugewiesenen Einzelfund (vgl. Schietzel 2014).

Farben & Status

Auch farbig war die Kleidung: Man färbte mit Pflanzen wie Waid für Blau und Färber-Wau für Gelb, dazu mit Flechten; Rot kam vom Krapp, in reichen Gräbern sogar von importierten Schildlaus-Farbstoffen wie Kermes – so die Farbstoffanalysen dänischer Grabtextilien (Nationalmuseet 2023). Das oft erzählte Birken-Gelb ist übrigens nicht durch Farbstoffanalysen belegt – es stammt aus modernen Färbe-Experimenten. Die Farben waren nicht so leuchtend wie moderne Stoffe, aber dennoch vielfältig. Kleidung konnte also durchaus bunt sein.

Zum Schließen von Kleidern oder Umhängen nutzte man Fibeln – kunstvoll gearbeitete Spangen aus Bronze oder Silber. Glasperlen und Schmuckstücke zeigten zusätzlich den Status des Trägers. In reichen Gräbern fand man sogar Seide, die über Handelswege aus Byzanz, dem heutigen Istanbul, nach Skandinavien gelangte. Insgesamt zeigen die Gräber die ganze Bandbreite – von einfacher Arbeitskleidung bis zu prunkvoll verzierten Textilien.

Funfact

In mindestens ~47 Birka-Gräbern fanden sich Posamenten — brettchengewebte Bänder, brokatiert mit echtem Silber-, teils Golddraht, in mindestens 26 verschiedenen Mustern; dazu importierte Seide (nach Geijer, Birka III 1938).

Fibeln

Kuratierte Sammlung von Fibeln verschiedener Typen. Diese Fibeltypen sind wikingerzeitlich breit belegt (vgl. Arbman 1943; Schietzel 2014; Roesdahl 1992), für die Einzelstücke ist jedoch kein einheitliches Fundvorbild belegt. Die Sammlung bündelt mehrere Inventar-Gegenstände.

Ovalfibeln und Trefoil-/Kleeblattfibeln:

Figürlich verzierte Fibeln (Drachenboot, Mammen-Tiermotive, Schlange/Drache) und eine durchbrochene Bügelfibel:

Ringfibeln mit Tierkopfenden:

Penannular- und pseudo-penannulare Fibeln, darunter ein geschmiedetes Eisenpaar:

Schlichte Ringfibel-Paare:

Verschlüsse

Sammlung mehrerer zweiteiliger Haken-Ösen-Verschlüsse (Gewand-/Kettenverschlüsse), teils mit Knotenwerk, dazu ein einfacher Draht-Verschlusshaken mit vier Ösen. Solche Verschlüsse sind wikingerzeitlich belegt; für die Einzelstücke ist kein konkretes Fundvorbild belegt. Die Sammlung bündelt mehrere Inventar-Gegenstände.

Schmuck

Kuratierte Zusammenstellung wikingerzeitlichen Schmucks abseits der eigenen Sammlungen für Anhänger, Fibeln und Verschlüsse: eine Misch-Halskette aus Glasperlen, Bernstein-Tropfen und Anhängern, eine geflochtene Königskette, zwei offene Armringe mit Tierkopf-Enden und eine Gewandnadel mit Tierkopfknauf. Stilkopien im wikingerzeitlichen Stil ohne konkret zugewiesenen Einzelfund (vgl. Arbman 1943; Roesdahl 1992).

Die Kleidung erzählt also von Funktionalität, aber auch von Reichtum, Handel und Mode. Sie war mehr als nur Schutz – sie war Ausdruck von Identität.

→ In der Ausstellung: Anhänger