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Teppich von Bayeux (Tapisserie de Bayeux)

Informationen
Kategorie
Textil
Überlieferung
Vermaechtnis
Datierung
1070er Jahre (11. Jh.), kurz nach der Eroberung 1066
Technik
Stickerei (kein gewebter Bildteppich)
Material
10 Farben Wollgarn auf Leinen; Farben u. a. aus Färberwaid (Blau), Krapp (Rot/Rosa/Orange/Braun), Reseda (Gelb)
Maße
ca. 68,3 m lang; Leinenbahn ca. 70 cm hoch (ca. 50 cm Bildfläche); neun zusammengenähte Leinenbahnen
Darstellung
normannische Eroberung Englands 1066 durch Wilhelm, Herzog der Normandie, bis zur Schlacht bei Hastings
Aufbewahrung
Musée de la Tapisserie de Bayeux, Bayeux (Normandie, Frankreich); z. Zt. wegen Umbau bis Oktober 2027 ausgelagert

Einordnung/Beleglage: Der Teppich von Bayeux ist kein archäologischer Bodenfund, sondern ein seit dem Mittelalter durchgehend überliefertes Kunstwerk (ehemals im Schatz der Kathedrale von Bayeux). Er wird hier als historisches Vorbild der eigenen Reproduktion Wandbehang_Bayeux geführt. Angaben zu Machart, Maßen, Datierung und Ausstellungsstatus nach der offiziellen Museumsseite Bayeux_Museum (Seiten „The Bayeux Tapestry" und „Tapestry or embroidery?"). Angaben zu Entstehung (1070er Jahre, Auftrag Bischof Odo, Herstellung wohl in England), Szenenzahl und Provenienz/Überlieferungsgeschichte nach enzyklopädischer Sekundärliteratur (Wikipedia; ergänzend Encyclopædia Britannica) — Forschungsmeinung, nicht museal gesichert.

Beschreibung

Der Teppich von Bayeux ist eine rund 68 m lange Wollstickerei auf Leinen, die in Bildfolgen mit lateinischen Bildunterschriften (tituli) die Vorgeschichte und den Verlauf der normannischen Eroberung Englands im Jahr 1066 erzählt — bis zur Schlacht bei Hastings und dem Tod König Harolds (HAROLD REX INTERFECTVS EST).

Technisch ist es keine gewebte Tapisserie, sondern eine Stickerei: auf neun zusammen- genähte Leinenbahnen wurden mit zehn Wollfarben vier Stickstiche aufgebracht (Stiel-, Ketten-, Spalt- sowie der flächenfüllende Anlege-/„Bayeux"-Stich).

Nach überwiegender Forschungsmeinung wurde die Stickerei in den 1070er Jahren wohl im Auftrag Bischof Odos von Bayeux (Halbbruder Wilhelms des Eroberers) und vermutlich in England (Raum Canterbury/Kent) gefertigt. Das Werk steht seit 2007 im UNESCO-Register „Memory of the World".1

Überlieferung / „Fundgeschichte"

Der Teppich wurde nie ausgegraben oder „gefunden", sondern ist seit dem Mittelalter durchgehend überliefert (Sekundärliteratur, siehe Beleglage):

  • Früheste schriftliche Erwähnung 1476 in einem Inventar des Schatzes der Kathedrale von Bayeux (dort zeitweise jährlich aufgehängt).
  • Überstand die Plünderung Bayeux' durch die Hugenotten 1562.
  • Wissenschaftlich „wiederentdeckt" im 18. Jh.: Antoine Lancelot legte 1724 der Académie einen Bericht über eine Zeichnung vor (ohne das Original zu kennen); Bernard de Montfaucon identifizierte es und veröffentlichte 1729/1730 Zeichnungen und Beschreibung.
  • Verblieb im Wesentlichen in Bayeux; während Revolution und napoleonischer Zeit zeitweise in Paris, 1804 nach Bayeux zurück.

Herstellungsort (davon zu unterscheiden): nach heutiger Forschungsmeinung wohl in England (Machtbasis Bischof Odos in Kent; Hinweise: angelsächsische Spuren im lateinischen Text, zeitgleiche englische Stickereien, dort übliche Pflanzenfarben) — teils Canterbury / St Augustine's Abbey vermutet. Unsicher, nicht museal gesichert.

Abbildungen

Gesamtansicht der Stickerei als durchlaufender Streifen (die neun Leinenbahnen sind zu einem Bild zusammengesetzt; Bilddatei 39870 × 360 px, in der Breite stark verkleinert dargestellt):

Teppich von Bayeux, Gesamtansicht (gemeinfrei, PD-Art; Wikimedia Commons, Zusammensetzung: Antonsusi, Ursprungsquelle Bibliotheca Augustana)

Quellennachweise

  • Bayeux_Museum — offizielle Museumsseite (Machart, Maße, Datierung, aktueller Status)
  • Wikipedia — enzyklopädische Sekundärquelle (Entstehung, 58 Szenen mit lateinischen tituli, Provenienz/Geschichte); ergänzend Encyclopædia Britannica
  • Wandbehang_Bayeux — eigene gedruckte Reproduktion (Lagerausstattung), Vorbild ist dieser Teppich

Relevanz für das Reenactment

  • Vorbild der eigenen gedruckten Reproduktion Wandbehang_Bayeux (Lager-Wandbehang).
  • Bildquelle für spätwikingerzeitliche/normannische Kriegführung, Schiffe, Tracht und Bewaffnung um 1066 (Ende der Wikingerzeit); vgl. Ende_der_Wikingerzeit.

Offene Aufgaben / nachzutragen

  • Genaue Szenenzahl museal belegen (Sekundärquellen nennen meist 58 Szenen).

  1. UNESCO, „Memory of the World – Bayeux Tapestry": 2007 in das Register aufgenommen.