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Viele Funde – große Bedeutung? Potenzial und Aussagewert von Metalldetektorfunden für die siedlungsarchäologische Forschung der Wikingerzeit

Informationen
Untertyp
Sammelband (Tagungsband)
Herausgeber
Volker Hilberg, Thorsten Lemm
Erscheinungsjahr
2018
Verlag
Verlag Ludwig
Verlagsort
Kiel
Reihe
Schriften des Museums für Archäologie Schloss Gottorf, Ergänzungsreihe, Band 12 (ZBSA)
ISBN
978-3-86935-339-5
ISSN
2364-4680
Seiten
200
URL
www.verlag-ludwig.de/gesamtprogramm/archaeologie/viele-funde-grosse-bedeutung-potenzial-und-aussagewert-von-metalldetektorfunden-fuer-die-siedlungsarchaeologische-forschung-der-wikingerzeit.html
Sprache
Deutsch

Peer-reviewter Tagungsband zum 33. Tværfaglige Vikingesymposium, das am 9. Mai 2014 vom Archäologischen Landesmuseum Schloss Gottorf im Wikinger Museum Haithabu ausgerichtet wurde (Hrsg. Volker Hilberg und Thorsten Lemm; Vorwort datiert „Schleswig, im Februar 2018"). Ausgangspunkt ist der Befund, dass Metalldetektor-Prospektion und Großflächengrabungen zahlreiche wikingerzeitliche Siedlungsplätze neu erschlossen haben – neben Ribe und Haithabu auch elitäre Großhöfe, spezialisierte Handwerksplätze, saisonale Märkte und maritime Landeplätze –, dass aber die Deutung eines einzelnen Platzes allein aus in der Pflugschicht geborgenen Metallfunden methodisch problematisch bleibt.

Die im Vorwort formulierten Leitfragen des Bandes:

  • Können Fundstellen mit vielen Metallfunden pauschal als „Zentralplätze" eingestuft werden?
  • Wie lassen sich „metallreiche" von „metallarmen" Siedlungen hinsichtlich ihrer lokalen, regionalen oder überregionalen Bedeutung unterscheiden?
  • Sagt die bloße Anzahl der Funde überhaupt etwas über die einstige Bedeutung eines Ortes aus?
  • Spiegelt sich die aus Oberflächenfunden erschlossene Einschätzung eines Platzes auch in den Grabungsbefunden wider?

Die Herausgeber halten ausdrücklich fest, dass wegen der Diversität der Fundstellen und der wenigen Studien zu Systematik und Methodik der Detektorarchäologie bislang keine allgemeingültige Herangehensweise erarbeitet werden konnte; der Band versteht sich als Orientierungshilfe und Sammlung vielversprechender Ansätze.

Beiträge

Autor Beitrag S.
Lisbeth Eilersgaard Christensen Centralpladsindikatorer og centralpladsdistribution – om centralitet og vækst i yngre jernalder og vikingetid (Fünen) 11
Claus Feveile Nordøstfyn – fra ingen til mange metalrige pladser på få år 29
Thorsten Lemm Auf der Suche nach dem Hof des königlichen Statthalters – Ergebnisse systematischer Detektorbegehungen in Husby, Kreis Schleswig-Flensburg 49
Morten Søvsø Detektorfund og bebyggelsesarkæologi – på markerne vest for Gl. Hviding kirke ved Ribe 67
Tobias Schade Die wikingerzeitliche Siedlung Kosel-Ost – Eine Altgrabung im Licht neuer Funde 81
Silke Eisenschmidt Ausgrabungsbefunde und „Metallreichtum" am Beispiel ausgewählter Regionen in Nordschleswig 93
Torben Trier Christiansen Detektorfund og bebyggelsesudvikling ved Sdr. Tranders i det sydøstlige Aalborg 109
Volker Hilberg Detektoruntersuchungen in Haithabu 2003–2015. Aussagemöglichkeiten und Erkenntnisgewinn für die Entstehung eines wikingerzeitlichen Handelszentrums 125
Michael Frank Gelting LA 88 – Ein wikingerzeitlicher Landeplatz an der Flensburger Außenförde 155
Eicke Siegloff, Nils Wolpert Zwei neu entdeckte Fundplätze bei Großenwiehe und Ellingstedt auf der Schleswiger Geest – archäologisch-denkmalpflegerische Betrachtungen 175

Im Archiv liegender Auszug

Das vorliegende PDF ist nicht der ganze Band, sondern enthält Titelei, Inhaltsverzeichnis, Fundplatz-Übersichtskarte, das Vorwort (S. 7) sowie einen Beitrag im Volltext: Siegloff/Wolpert, S. 175–191.

Siegloff/Wolpert, „Zwei neu entdeckte Fundplätze bei Großenwiehe und Ellingstedt" stellt zunächst das „Schleswiger Modell" vor – das 2005 vom Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein etablierte Kooperationsmodell mit Sondengängern, bei dem die denkmalrechtliche Genehmigung an eine fachliche Schulung geknüpft ist (rund 190 Absolventen, ca. 120 aktive Detektorgänger zum Zeitpunkt der Abfassung). Anschließend werden zwei so entdeckte Plätze vorgestellt:

  • Großenwiehe LA 36 (Kr. Schleswig-Flensburg): seit 2011 systematisch prospektiert, bis Sommer 2015 rund 100 wikingerzeitliche Metallfunde. Überwiegend Kleidungsbestandteile (Kleeblatt-, Gleicharm-, Schalen- und Zungenfibeln, Rautenfibeln im Borrestil, Rechteck- und Scheibenfibel), dazu ein versilberter Schwert- und ein Schildanhänger, kontinentale Emailfibeln, eine karolingische und eine angelsächsische Riemenzunge sowie ein exzeptionelles becherförmiges Objekt aus vergoldetem Silber (8. Jh., Provenienz wohl Mittelengland). Handelsindikatoren: Kugelzonen- und Bleigewichte, Hacksilber und knapp 20 Münzen (bis auf einen karolingischen Denar ausschließlich islamische Dirhams, z. T. mit Prüfritzungen). Handwerksbelege: Buntmetallschrott, Eisenschlacke, eine Werkzeugdeponierung (zwei Schmaläxte, Dechsel, Löffelbohrer) und ein Feinschmiedehammer. Fundmaterial spricht für Siedlungsaktivität von etwa der Mitte des 7. bis in die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts; der Platz wird zwischen den großen metallreichen Zentren (Haithabu, Ribe, Tissø) und den metallarmen ländlichen Siedlungen als „regionales Zentrum"/„Subzentrum" eingeordnet.
  • Ellingstedt LA 61 (Kr. Schleswig-Flensburg): 2013 durch eine von zertifizierten Sondengängern selbst entwickelte Fragestellung entdeckt – ca. 9,5 km westlich von Haithabu, rund 1 km vom Krummwall des Danewerks. Funde u. a. Kugelzonen- und Kubooktaedergewichte, Dirham-Fragmente, Pseudomünz-, Scheiben-, Kleeblatt- und Walkürenfibel, vergoldeter Riemenverteiler, Schwertortband, Pektoralkreuz. Suchgrabungen im Oktober 2013 erbrachten zwei Grubenhäuser (im größeren 16 Webgewichte, Herdstelle, Glasperlen) und – im vernässten Niederungsbereich – Feuchtbodenerhaltung von Pfosten-, Bohlen- und Flechtwandresten; dendrochronologische Fälldaten (855, Sommer 855, 868, 876) belegen Holzbauten in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts. Der akut vom Maisanbau bedrohte Platz wurde 2014 über Naturschutz-Ausgleichsmittel angekauft und gesichert.

Relevanz für das Reenactment

  • Quellenkritik zur Fundgattung Detektorfund: Metallfunde aus der Pflugschicht sind aus dem Befund gerissen; Menge und Zusammensetzung erlauben nur begrenzte Rückschlüsse auf Rang und Charakter einer Siedlung. Verbreitungsbilder spiegeln immer auch Prospektions- und Meldeintensität.
  • Der Band zeigt, welche Sachkultur auf ländlichen und „subzentralen" Plätzen tatsächlich vorkommt (Fibelspektrum, Gürtelzubehör, Gewichte, Hacksilber, Werkzeug) – nützlich, um Darstellungen jenseits der reichen Zentren wie Haithabu und Birka zu erden.
  • Konkrete Fundgruppen mit Reenactment-Bezug: Kleeblatt-, Gleicharm-, Scheiben-, Walküren- und Pseudomünzfibeln, Miniaturwaffen-Anhänger, Kugelzonen- und Kubooktaedergewichte, zerhackte Dirhams, Holzbearbeitungswerkzeug (Schmaläxte, Dechsel, Löffelbohrer), Webgewichte und Spinnwirtel.

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