Schildbau [Heydenwall]¶
Informationen
- Untertyp
- Reenactor-Webseite
- Sprache
- Deutsch
- URL
- www.heydenwall.de/anleitungen/schildbau
- Quelle
- heydenwall.de
Quellenübersicht¶
Dieser Text fungiert als umfassendes Kompendium für den historischen Schildbau, das sowohl theoretische Grundlagen als auch praktische Konstruktionshinweise für Reenactment-Interessierte bündelt. Der Autor legt dar, dass die Form eines Schildes stets seinem spezifischen Verwendungszweck folgt, wobei detailliert zwischen den Anforderungen für den Linienkampf, den Einzelkampf oder rein repräsentative Zwecke unterschieden wird. Ein zentraler Fokus liegt auf der Optimierung von Material und Gewicht, wobei historische Befunde aus Fundorten wie Thorsberg als Referenz für authentische Schichtdicken, Holzarten und Randverstärkungen dienen. Neben technischen Aspekten wie der Wahl zwischen flachen oder gewölbten Korpussen sowie verschiedenen Griff- und Buckelformen bietet die Quelle zudem Orientierungshilfen für die ästhetische Gestaltung und funktionale Tragesysteme. Das Ziel des Leitfadens ist es, dem Leser das nötige Fachwissen zu vermitteln, um ein balanciertes Schutzgerät zu fertigen, das den modernen Sicherheitsstandards im Schaukampf bei gleichzeitiger historischer Stimmigkeit gerecht wird.
Inhalt¶
Grundsätzliches¶
Die Form des Schildes folgt der Funktion des Schildes. Der Schild hat die Grundfunktionen Schutz und Repräsentation und kann darüber hinaus auch als Waffe eingesetzt werden.
Welche der Funktionen im Vordergrund steht und welche Epoche dargestellt werden soll, entscheidet darüber, welche Form der Schild haben muss.
Wenn es darum geht, seine Zugehörigkeit zu zeigen, das Hochmittelalter darzustellen und ansonsten mit der Hellebarde zu kämpfen, dann reicht vielleicht ein kleiner, gebogener Rückenschild in Wappenform. Der liegt dann gut am Rücken an, behindert nicht, wenn er gut befestigt ist und zeigt deutlich das Symbol.
Wenn das Frühmittelalter dargestellt wird, die Repräsentation im Hintergrund steht und eine aktive Schildführung bevorzugt wird, dann ist vielleicht ein einfarbiger, gerader 85 cm Rundschild der Richtige.
Rundschilde¶
Der Rundschild hat viele Einsatzmöglichkeiten, die vor allem durch die Größe beeinflusst werden, aber auch von der Form der Fläche, von der Art des Buckels oder des Griffes. Die Fundlage der frühmittelalterlichen Schilde geht von 55–120 cm. Im Hochmittelalter werden eher kleinere Schilde von 25–70 cm eingesetzt oder gänzlich andere Formen.
Schildgrößen und ihre Einsatzmöglichkeiten¶
| Typ | Durchmesser |
|---|---|
| Buckler | 25–40 cm |
| Einzelkampfschild | 35–65 cm |
| Umhängeschild | 50–70 cm |
| Linienschild | 70–120 cm |
| Standard-Linien-Schild (nicht gewölbt) | 80 cm |
| Rückenschild (immer gewölbt) | 80–90 cm |
| aktives Schild (nie gewölbt) | 85–95 cm |
Das 80er ist der Standard, den jeder irgendwann mal hat oder hatte – immer gut. Wer es etwas passender wünscht, dem empfehle ich als Standard-Linien-Schild einen Schild zu bauen, der im normalen Stand gut unter den Handballen passt, sodass der Schild neben einem steht. Bei diesem Maß ist gewährleistet, dass die eigene Waffenaktivität nur gering eingeschränkt ist und der Eigenschutz mit geringer Aktivität relativ gut möglich ist.
Schilddicke, Beschichtung und Holzwahl¶
Die Schilddicke und die Beschichtung sind sehr wichtige Faktoren für das Gewicht des Schildes. Natürlich wirkt sich das in Relation zur Größe des Schildes aus. Bei einem Buckler ist dieser Faktor zu vernachlässigen, aber für das Standard-Linienschild ist er sehr wichtig.
In der Regel werden Schilde zu dick gebaut. Frühmittelalterliche Schilde hatten in der Nähe des Buckels eine Dicke von maximal 9 mm und am Außenrand zum Teil nur 3 mm Dicke, so auch nachzulesen im Thorsberg Bericht.
Als Holzsorte für einen modernen Schild kann alles genommen werden. Empfohlen wird wasserfest verleimtes Sperrholz (Birke). Pappel eignet sich gut für leichte Schilde, wenn es beschichtet wird; Buche geht auch unbeschichtet.
Historische Schilde waren aus Brettern, die wahrscheinlich auf Stoß verleimt waren und zudem durch den Rand oder auch durch den Griff stabilisiert wurden. Als Material sind Erle, Pappel und Eiche zum Beispiel in Thorsberg nachgewiesen.
Für die Beschichtung wird Leinen empfohlen (stabil und kostengünstig). Leder oder Rohhaut wären auch möglich, sind aber deutlich schwerer und empfindlicher bei Nässe. Bei Schilden der Wikingerzeit wird eine Beschichtung aus Leder vermutet (Thorsberg Bericht).
Empfehlungen:
- Codex Belli Freikampf: 6 mm wasserfestes Birkensperrholz mit Leinenbeschichtung außen
- Vollkontaktkampf: 8 mm wasserfestes Birkensperrholz mit beidseitiger Beschichtung
Schildrand und Befestigung¶
Der Rand sollte auf jeden Fall verstärkt werden, da sonst die Waffen sehr schnell in den Rand eindringen und den Schild zerstören. Dies ist auf zwei Weisen möglich: ein Rohhautrand oder ein Lederrand. Beide federn den Schlag ab, ohne ihre Form zu verlieren. Metallränder sind nicht sinnvoll (schwer, bilden scharfe Kanten).
Rohhaut:
- leichter
- dünn, verdickt optisch nicht den Rand
- leicht zu befestigen
- regenempfindlich (wird in nassem Zustand leicht zerstört)
Leder:
- mehr Schutz beim aktiven Einsatz
- mehr Grip beim Abwehren von Speeren mit der Kante
- haltbarer
- mehr Arbeit beim Befestigen, schwerer
Als Befestigung wird das Festnähen bevorzugt (leichter, flexibler). Nageln löst sich leichter und hinterlässt gelegentlich scharfe Kanten.
Vorteile und Nachteile der Formen¶
Flache Schilde:
- guter Zusammenschluss in der Linie
- bessere Kraftübertragung auf den Rand (gerade Strecke vom Körper zum Gegner)
- weitere Waffen können in die Hand genommen werden (Wurfspeere, Dolche)
Gewölbte Schilde:
- Schwerpunkt liegt weiter Richtung Handgelenk (gelenkschonender)
- gutes Abgleiten von Speeren
- leichteres Decken der Schulter gegen Äxte
- besserer Tragekomfort bei Rückentrageweise
Griffformen¶
Grundsätzlich werden ovale Formen benutzt (besseres Gefühl für die Schildlage). Griffe parallel zur Fläche: eher aktiver Schildkampf. Griffe senkrecht zur Fläche: eher Linienkampf.
Verschiedene Befestigungslängen sind belegt:
- Lange oder gespaltene Befestigungen: stabilisieren den Schild (z. B. gewölbter Bretterschild)
- Kurze Befestigungen: erhalten die Flexibilität (z. B. leichter Linienschild)
Empfehlung: Griff nicht zu lang (max. 6 cm auf jeder Seite auf das Schild stehen lassen).
Buckelformen¶
Für das Freifechten reicht ein Buckel aus 1,5 mm Eisen. Dickere Buckel haben nur zusätzliches Gewicht. Ein 1,5 mm Buckel lebt länger als der dazugehörige Schildkörper und kann bei Erneuerung leicht ausgebeult werden.
Maße moderner Buckel: Handloch ca. 14 cm, Rand ca. 2 cm breit. Historische Buckel: nur wenig breiter als die Hand, also 9–10 cm.
Da heute Handschuhe zur Pflichtbekleidung gehören, müssen heutige Schildbuckel größer sein. Empfehlung: Buckel leicht größer (1 cm in jede Richtung) als der Handschuh wählen. Durch Kürzen des Randes lassen sich bis zu 250 g einsparen.
Nieten oder Krampen¶
Nieten werden gegenüber Krampen (umgeschlagenen Nägeln) klar bevorzugt:
- Nieten können dünner sein → leichter
- Nieten bewahren ihren Anpressdruck (verbiegen sich nicht)
- Krampen können in der Nähe eines Loches gefährliche Haken bilden
Verwendung: einfache Nägel 3 mm oder 4 mm mit überschmiedeten Köpfen sowie selbst gemachte rautenförmige Unterlegscheiben (1,5 mm Blech).
Trageriemen¶
Drei Methoden zur Riemenbefestigung:
- direkt am Griff (kurzfristig anbringbar, einpunktig = wackelig)
- an den Verlängerungen des Griffs (bequeme Rückentrageweise, wenig Wackeln)
- durch zusätzliche Ringe an der Schildfläche (bequeme Rückentrageweise)
Methoden 2 und 3 ermöglichen aktive Schildführung für Zweihandwaffen. Der Riemen sollte auf der Verlängerung des Griffs befestigt werden, damit das Motiv auf dem Schild beim Rückentragen korrekt ausgerichtet bleibt. Riemenlänge sollte variierbar sein.
Bemalung¶
Bei frühmittelalterlichen Rundschilden gab es keine wappenartige Bemalung. Es kam vor, dass Schilde für Schlachten farblich einheitlich gekennzeichnet wurden.
Hinweise zur Farbwahl:
- Farben sollen für Farbfehlsichtige gut unterscheidbar sein
- Guter Schwarz-Weiß-Kontrast (periphere Sicht, Dämmerung)
- Linienbreite mindestens 2 cm (aus großer Entfernung sichtbar)
- Motive erst einmal die Waagerechte einzeichnen (Griffhaltung weicht ca. 30° von der Senkrechten ab)
Beispielschilde¶
| Bezeichnung | Durchmesser | Wölbungstiefe | Schilddicke | Randdicke | Gewicht | Gewichtsindex |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Gewölbter 85 | 85 cm | 9 cm | 9 mm | 18 mm | 4170 g | 0,73 g/cm² |
| Gewölbter 81 | 81 cm | 8,5 cm | 8,5 mm | 18 mm | 3505 g | 0,68 g/cm² |
| Gewölbter 78 | 78 cm | 7,5 cm | 9 mm | 12 mm | 3825 g | 0,80 g/cm² |
| Gerader 88 | 88 cm | – | 7,5 mm | 19 mm | 4050 g | 0,67 g/cm² |
| Gerader 80 | 80 cm | – | 9 mm | 12 mm | 4011 g | 0,80 g/cm² |
| Gerader 80 | 80 cm | – | 7 mm | 10 mm | 3125 g | 0,62 g/cm² |
| Gerader 60 | 60 cm | – | 6 mm | 15 mm | 1840 g | 0,65 g/cm² |
| Gerader 50 | 50 cm | – | 8 mm | 13 mm | 1803 g | 0,92 g/cm² |
| Ikea Schild 45 | 45,5 cm | 5 cm | 9 mm | 12 mm | 1567 g | 0,96 g/cm² |
| Buckler 30 | 30,5 cm | – | 9 mm | 12 mm | 808 g | 1,11 g/cm² |
Bauanleitungen Rundschild¶
- Flacher Schildkörper
- Gewölbter Schildkörper
- Schildbuckel schwärzen
- Buckel und Griff vernieten
- Rohhautrand
- Lederrand mit eingelegtem Seil
- Gurtbefestigung mit Schildriemenringen
Lizenz: CC Attribution-Noncommercial-Share Alike 4.0 International. Zuletzt geändert: 2025-05-14.