Hnefatafl: Beleglage und moderne Rekonstruktion¶
Informationen
- Thema
- Hnefatafl
- Stand
- 2026-08-11
Beleglage: Archäologisch belegt sind Spielsteine, Würfel sowie Reste oder Beschläge von Spielbrettern. Die vollständigen Regeln eines wikingerzeitlichen Hnefatafl-Spiels sind dagegen nicht überliefert. Die Gleichsetzung eines archäologischen Spielsatzes mit Hnefatafl und seine Zuordnung zu einer bestimmten heutigen Regelvariante bleiben deshalb Interpretationen.
Kurzfassung¶
- Gesichert: In wikingerzeitlichen Fundzusammenhängen kommen Spielsteine aus verschiedenen Materialien, Würfel und Bestandteile von Spielbrettern vor. Birka bietet dafür mehrere gut dokumentierte Grabinventare.
- Nicht gesichert: Aus den Funden allein ergeben sich weder Brettgröße noch Aufstellung, Zugregeln, Schlagregeln oder Siegbedingungen. Auch die Rollen der verschiedenfarbigen Steine lassen sich bei den Birka-Sätzen nicht sicher bestimmen.
- Spätere Schriftquellen: Literarische Hinweise und Beschreibungen verwandter Tafl-Spiele sind jünger als die archäologischen Funde. Sie helfen bei Rekonstruktionen, dürfen aber nicht ohne Weiteres als Spielanleitung für Birka verwendet werden.
- Für die heutige Darstellung: Eine Fassung auf 9 × 9 Feldern mit einem König, 8 Verteidigern und 16 Angreifern ist eine moderne spielbare Rekonstruktion, kein nachgewiesener wikingerzeitlicher Regelsatz.
Begriff und Quellenproblem¶
Das altnordische Wort tafl kann allgemein ein Brettspiel bezeichnen. Die Nennung eines Tafl-Spiels in einer Schriftquelle beweist daher nicht automatisch, dass genau die heute als Hnefatafl bezeichnete asymmetrische Spielform gemeint ist. Umgekehrt tragen archäologische Spielsteine gewöhnlich keine Information darüber, nach welchen Regeln sie verwendet wurden. Vlasatý 2014
Die heutige Rekonstruktion verbindet drei voneinander zu trennende Quellengruppen:
- Archäologische Sachquellen: Spielsteine, Würfel, Bretter und Brettbeschläge.
- Spätere literarische und frühneuzeitliche Beschreibungen: Hinweise auf Tafl-Spiele und einzelne Rollen oder Spielprinzipien.
- Moderne Regelrekonstruktionen: spielbare Systeme, die Lücken durch Entscheidungen ergänzen.
Woher die heutigen Regeln stammen¶
Ein vollständiger wikingerzeitlicher Regeltext für Hnefatafl ist nicht erhalten. Die konkretesten Regelbeschreibungen, auf die moderne Rekonstruktionen zurückgreifen, sind deutlich jünger:
Robert ap Ifan: y tawlbwrdd (1587)¶
Der Katalog der National Library of Wales beschreibt in Peniarth MS 158 auf Seite 4 ein von Robert ap Ifan 1587 gezeichnetes Diagramm von y tawlbwrdd zusammen mit einer walisischen Spielanweisung. Der Katalog belegt damit eine schriftlich fixierte Tafl-Tradition des späten 16. Jahrhunderts. Er reicht für sich allein jedoch nicht aus, um daraus Detailregeln für ein Spiel aus Birka abzuleiten. National Library of Wales: Peniarth MS 158
Carl von Linné: Tablut (Beobachtung 1732, englische Ausgabe 1811)¶
Carl von Linné beobachtete Tablut 1732 in Lappland. Die 1811 veröffentlichte englische Ausgabe seiner Reiseaufzeichnungen, Lachesis Lapponica, Band II, S. 55–58, beschreibt ein Brett mit 9 × 9 Positionen und 25 Figuren: einen König im Zentrum, acht „Schweden“ und sechzehn „Moskauer“.
Nach dieser Beschreibung ziehen die Figuren waagerecht oder senkrecht über beliebig viele freie Positionen, ohne andere Figuren zu überspringen; beide Seiten ziehen abwechselnd. Gewöhnliche Figuren werden durch Einschließen zwischen zwei gegnerischen Figuren geschlagen. Für die Gefangennahme des Königs gelten besondere Bedingungen, und sein Ziel ist ein freier Weg zum Brettrand.
Tablut liefert damit wesentliche Bausteine heutiger 9×9-Rekonstruktionen. Die Quelle dokumentiert aber ein samisches Spiel des 18. Jahrhunderts und ist kein wikingerzeitlicher Hnefatafl-Regeltext. Welche dieser Regeln bereits bei älteren skandinavischen Spielen galten, lässt sich daraus nicht unmittelbar bestimmen. Linné 1811, Band II
Archäologische Belege aus Birka¶
| Fundkomplex | Belegtes Spielmaterial | Aussagegrenze |
|---|---|---|
| Bj 581 | 28 Spielsteine aus Horn, drei Würfel aus Hirschgeweih-Rosenstock und eiserne Eckbeschläge eines Spielbretts | Der Fund belegt Spielgerät im Grab, aber keinen bestimmten überlieferten Hnefatafl-Regelsatz. |
| Bj 644 | 22 gläserne Spielsteine: zwei hervorgehobene „Könige“ und 20 halbsphärische Steine; außerdem drei Würfel | Zwei hervorgehobene Figuren passen nicht eindeutig zu der heute üblichen Vorstellung eines einzelnen Königs. Die Spielart bleibt offen. |
| Bj 750 | 26 gläserne Spielsteine: ein figürlicher „König“, 8 dunkelgrüne und 17 hell blaugrüne Steine; dazu vier eiserne Eckbeschläge eines Spielbretts | Die ungleiche Zahl der einfachen Steine und die fehlende Spielfläche erlauben keine sichere Rekonstruktion von Aufstellung oder Farbrollen. |
Spielsteine und Würfel aus Arbman 1943, Taf. 147:3, Grab Bj 581 (Bildzitat).
Die 22 Spielsteine mit zwei hervorgehobenen Figuren sowie drei Würfel aus Arbman 1943, Taf. 148:2, Grab Bj 644 (Bildzitat).
Aus Birka ist in diesen drei Grabkontexten keine vollständige Spielfläche bildlich überliefert. Für Bj 581 und Bj 750 nennt Arbman lediglich eiserne Eckbeschläge und verweist typologisch auf Taf. 146; diese Tafel zeigt Vergleichsstücke aus anderen Gräbern und darf nicht als Abbildung eines Bretts aus Bj 581 oder Bj 750 gelesen werden.
Die Material- und Formvielfalt von Spielgerät wird auch durch die Untersuchung der wikingerzeitlichen und mittelalterlichen Spielfunde aus Sigtuna deutlich; siehe Edberg, Karlsson & Söderberg 2022. Aus dem Nachweis eines Spielsteins folgt jedoch noch keine sichere Bestimmung des gespielten Spiels.
Mark A. Hall weist für Spielgeräte in nord- und westeuropäischen Bootsgräbern darauf hin, dass sich die Ausstattung unterschiedlich erhalten hat: als Bretter mit Spielsteinen, nur als Spielsteine oder als Würfel zusammen mit Spielsteinen. Das ist methodisch wichtig, weil ein heute unvollständig wirkender Fund nicht zwingend den vollständigen damaligen Spielsatz oder dessen Verwendung abbildet. Hall 2016
Fallbeispiel Bj 750¶
Arbmans Grabkatalog nennt für Bj 750 einen Satz von 26 Glas-Spielsteinen (217:49, Taf. 147:1): einen figürlichen „König“, 8 dunkelgrüne sowie 17 hell blaugrüne halbkugelige Steine mit Durchmessern von 2,5–2,7 cm. Der König ist gesondert als Fundobjekt erfasst. Arbman 1943
Der Spielsteinsatz aus Arbman 1943, Taf. 147:1, Grab Bj 750 (Bildzitat).
Glas-Spielkönig aus Bj 750 mit halbkugeligen Spielsteinen, Föremålsnummer 107786_HST. Foto: Ola Myrin, Historiska museet/SHM, CC BY 4.0; Quelle: SHM_Samlingar.
Die offizielle SHM-Objektseite führt die 25 halbkugeligen Steine als Föremålsnummer 107787_HST und beschreibt 8 dunkle sowie 17 helle Steine. Das Museum wertet die ungleiche Anzahl als Hinweis auf einen unvollständigen Satz. Damit darf die Verteilung 8 : 17 nicht ohne Weiteres in eine Regelaufstellung von 8 : 16 umgedeutet werden. Ebenso ist aus den Farben allein nicht abzuleiten, welche Seite angriff oder den König verteidigte. Historiska museet: 25 Spielsteine aus Bj 750
Schriftliche Hinweise und Farben¶
Vlasatý 2014 verweist auf ein Rätsel der Hervarar saga ok Heiðreks. Nach seiner Auswertung schützen dort dunkle Figuren einen unbewaffneten Herrscher gegen helle Angreifer. Dieser literarische Hinweis ist für die Deutung von Farbrollen wichtig, aber kein unmittelbarer Regelbeleg für die älteren Birka-Funde.
Die dort beschriebene Rollenverteilung widerspricht zudem der in manchen heutigen Spielsets verwendeten Farbkonvention „dunkle Angreifer, helle Verteidiger“. Die Farbe eines modernen Satzes sollte daher als gewählte Spielkonvention dokumentiert werden und nicht als archäologisch gesicherte Zuordnung gelten.
Moderne spielbare Rekonstruktion¶
Für ein heutiges Spiel auf 9 × 9 Feldern kann folgende Stückzahl verwendet werden:
| Rolle | Anzahl |
|---|---|
| König | 1 |
| Verteidiger | 8 |
| Angreifer | 16 |
| Gesamt | 25 |
Diese Zusammenstellung ist eine moderne Regelvariante. Sie passt zahlenmäßig nicht vollständig zum erhaltenen Befund aus Bj 750: Dort sind einschließlich König 26 Steine dokumentiert, wobei das SHM den Satz wegen der 8 : 17 verteilten einfachen Steine als unvollständig anspricht. Ein für das Spiel auf 9 × 9 Feldern zusammengestellter Satz kann sich bei Form, Material und Farbwirkung an Bj 750 orientieren; seine Stückzahl, Farbzuordnung und Regeln bleiben dennoch moderne Ergänzungen.
Andere moderne Rekonstruktionen verwenden größere Bretter. Vlasatý beschreibt unter anderem Varianten mit 11 × 11 beziehungsweise 13 × 13 Feldern. Auch diese Angaben sind nicht als unmittelbar aus einem wikingerzeitlichen Regeltext überlieferte Standardmaße zu behandeln. Vlasatý 2014
Woher man die Form der Spielbretter kennt¶
Ballinderry¶
Das National Museum of Ireland führt das 1932 gefundene Brett mit der Inventarnummer NMI 1932:6533. Es besteht laut Museum aus Eibenholz, besitzt 49 Stecklöcher in einem 7×7-Raster, und Zentrum sowie Ecken sind durch Kreisbögen markiert. Der Fundplatz wird in das 9.–11. Jahrhundert eingeordnet. Das Museum deutet das Stück als Hnefatafl-Brett; diese Spielbestimmung ist als Museumsdeutung zu verstehen, nicht als aus dem Raster selbst ablesbare Regelanweisung. National Museum of Ireland: Ballinderry Gaming Board
Ballinderry Gaming Board, NMI 1932:6533. National Museum of Ireland, CC BY-SA 2.0; Quelle: National_Museum_Ireland_Collections.
Gokstad¶
Aus Gokstad ist ein fragmentarisches, doppelseitig benutztes Spielbrett bekannt. Nach der bei Vlasatý referierten Publikation Nicolaysens trägt eine Seite ein Raster, während die Rückseite ein mühleartiges Linienbrett zeigt. Der Fund belegt, dass ein Brett für zwei verschiedene Spielflächen eingerichtet sein konnte. Ein Raster allein bestimmt jedoch weder den Spielnamen noch die dazugehörigen Regeln sicher. Vlasatý 2014
Alea evangelii¶
Corpus Christi College Oxford MS 122 ist eine irische Pergamenthandschrift, die der Katalog von Digital Bodleian auf 1140–1199 datiert. Auf fol. 5v steht unter einem Incipit beziehungsweise einer Einleitung das große rot linierte Diagramm der Alea evangelii. Die zugehörige Erklärung folgt auf fol. 6r–6v. Digital Bodleian: Corpus Christi College Oxford MS 122
Corpus Christi College MS 122, fol. 5v: oben fünf kleine Konkordanztafeln, darunter Incipit beziehungsweise Einleitung und das Diagramm der Alea evangelii. Photo © Corpus Christi College, Oxford. Nichtkommerzielle Nutzung mit Angabe der Quelle und des Copyrights des College gestattet; kommerzielle Nutzung nur nach vorheriger Genehmigung. Digital Bodleian.
Kanontafeln und Spielbild¶
Der Handschriftenkatalog ordnet fol. 1v–5r den eusebianischen Kanontafeln zu. Diese Tabellen stellen über Abschnittsnummern Konkordanzen zwischen den Evangelien her. Auch am oberen Rand von fol. 5v stehen noch fünf kleine tabellenartige Kanon- beziehungsweise Konkordanzdarstellungen. Ihre Zahlenkolonnen dokumentieren daher keine Spielzüge und keine Folge von Spielstellungen. Nach Duggans Auswertung der älteren Transkription Robinsons dienen die im Text beschriebenen Zahlenoperationen vielmehr dazu, markierte Positionen statisch zu setzen beziehungsweise zu identifizieren und den Evangelisten zuzuordnen. Daraus ergibt sich keine zeitliche Reihenfolge bewegter Figuren. Erst unter den kleinen Tafeln folgen Einleitung und Spielschema.
Neben der Deutung als Bewegungsspiel und als christliche Allegorie ergibt sich daraus eine dritte, vorsichtige Interpretationsmöglichkeit: Das Schema könnte als reine Setz-, Zuordnungs- oder Gedächtnisaufgabe verwendet worden sein – also als puzzleartiges Verfahren beziehungsweise aide-mémoire, bei dem Positionen anhand der Evangelienharmonien richtig bestimmt werden. Duggan diskutiert diese Möglichkeit auf Grundlage der von Robinson erschlossenen Setz- und Identifikationsanweisungen. Denkbar wäre etwa, eine Durchführung danach zu beurteilen, wie viele Figuren korrekt platziert wurden; das veranschaulicht jedoch nur eine hypothetische Nutzungsweise. Eine solche Punktewertung ist in der Handschrift nicht überliefert.
Die unmittelbare Nachbarschaft ist inhaltlich bedeutsam: Der Entwurf der Alea evangelii greift die Ordnung der Evangelien auf und deutet Figuren und Linien als christliche Allegorie. Das Diagramm ist deshalb nicht nur als praktisches Spielbrett zu lesen. Eddie Duggan betont zudem, dass der zur Darstellung gehörende Text keine eigentlichen Spielregeln liefert. Duggan 2021
Überliefertes Schema und Grenzen einer spielbaren Rekonstruktion¶
Das Manuskript beziehungsweise seine wissenschaftliche Auswertung überliefert einen Belagerungsrahmen, eine zentrale Herrscherfigur, Angreifer und Verteidiger sowie die Zuordnung von Figuren und Linien zur Evangelienallegorie. Außerdem ist die Figurenstellung als Diagramm erhalten. Nicht beschrieben werden dagegen:
- Zugweite und Zugfolge,
- eine Schlagmechanik für gewöhnliche Figuren,
- die Bedingungen für die Gefangennahme des Herrschers,
- ein Fluchtziel und
- eine eindeutige Siegbedingung.
Das häufig wiedergegebene Modell mit 19 × 19 Schnittpunkten – entsprechend 18 × 18 Feldern – und 73 Figuren ist daher keine vollständig und eindeutig ausformulierte Manuskriptregel. Es ist als verbreitete moderne Rekonstruktion nach H. J. R. Murray zu kennzeichnen; dazu gehört auch Murrays Symmetrisierung der im Manuskript nicht völlig symmetrischen Anordnung. Zug-, Schlag- und Siegbedingungen einer spielbaren Fassung müssen aus anderen Tafl-Überlieferungen oder durch moderne Entscheidungen ergänzt werden. Duggan 2021
Drew McNaughton untersucht in einem modernen Versuch, ob sich die Kanontafeln und ihre Zahlenbeziehungen für eine spielbare Rekonstruktion auswerten lassen. Das ist ein interessanter experimenteller Rekonstruktionsansatz, aber kein historischer Nachweis für Zug-, Schlag- oder Siegregeln der Alea evangelii. McNaughton: Alea Evangelii Canon Tables
Die Alea evangelii zeigt damit ein großes mittelalterliches asymmetrisches Spiel- und Deutungsschema. Sie darf jedoch weder ohne Einschränkung mit Hnefatafl gleichgesetzt noch als vollständige Regelquelle für ein wikingerzeitliches Spiel behandelt werden.
Archäologische Bretter können somit Raster, markierte Sonderpositionen oder eine zweite Spielfläche erkennen lassen. Sie liefern aber nicht automatisch Aufstellung, Zugfolge, Schlagregel und Siegbedingung. Diese Lücken werden bei heutigen Rekonstruktionen durch die späteren Schriftquellen und moderne Entscheidungen geschlossen.
Andere Spiele und die Zuordnung loser Spielsteine¶
Das doppelseitige Brett von Gokstad belegt eine mühleartige Spielfläche unmittelbar als Alternative zur Rasterseite. Damit ist zumindest für dieses Brett nachweisbar, dass verschiedene Spiele auf Vorder- und Rückseite vorgesehen waren. Vlasatý 2014
Schlichte runde oder halbkugelige Spielsteine sind dagegen nicht von sich aus spielspezifisch. Ähnliche Steine konnten grundsätzlich auf verschiedenen Brettern verwendet oder wiederverwendet werden; bei einzelnen losen Steinen ist eine sichere Zuordnung zu Hnefatafl daher gewöhnlich nicht möglich. Auch Würfel im selben Grabkontext — wie in Bj 581 und Bj 644 — belegen Würfel als Teil der Spielausstattung, aber nicht zwingend als Bestandteil eines Hnefatafl-Regelsatzes.
Deutung des sozialen Zusammenhangs¶
Spielgeräte in Bestattungen können mehr bedeutet haben als bloßen Zeitvertreib. Helène Whittaker untersucht Spielbretter, Spielsteine und Würfel in nordeuropäischen eisenzeitlichen Gräbern und diskutiert unter anderem Unterhaltung im Jenseits, sozialen Status und religiöse Bedeutungen. Diese Deutungsmöglichkeiten sind kontextabhängig und beweisen nicht, dass jedes Spielgerät ein militärisches Planspiel war. Whittaker 2006
Vlasatýs Deutung von Hnefatafl als Schlachtsimulator und Mittel strategischer Schulung ist daher als Hypothese des Autors zu kennzeichnen. Die archäologischen Funde belegen das Spielgerät, nicht diese konkrete Verwendung. Vlasatý 2014
Quellen¶
- Arbman, Holger (1943): Birka I – Die Gräber — Grabkatalog und Tafeln zu Bj 581, Bj 644 und Bj 750; Primärpublikation der Befunde.
- Edberg, Rune; Karlsson, Johnny; Söderberg, Anders (2022): Spelföremål från Sigtuna — archäologische Untersuchung von Würfeln, Spielsteinen und Spielbrettern aus Sigtuna.
- Vlasatý, Tomáš (2014): „Hnefatafl jako bitevní simulátor“ — quellenbasierter Online-Artikel; die Schlachtsimulator-Deutung ist die Interpretation des Autors.
- Statens historiska museer: 25 Spielsteine aus Bj 750, Föremålsnummer 107787_HST — offizieller Museumsdatensatz zu Zahl und Farben der halbkugeligen Steine sowie zur möglichen Unvollständigkeit des Satzes; abgerufen am 11. August 2026.
- Whittaker, Helène (2006): „Game-Boards and Gaming-Pieces in Funerary Contexts in the Northern European Iron Age“, Nordlit 20 — Untersuchung von Spielgerät in Bestattungskontexten; abgerufen am 11. August 2026.
- Linné, Carl von (1811): Lachesis Lapponica, Band II, S. 55–58 — englische Veröffentlichung der 1732 aufgezeichneten Tablut-Beschreibung; abgerufen am
- August 2026.
- National Library of Wales: Peniarth MS 158, Robert ap Ifan (1587) — Katalognachweis des Diagramms und der walisischen Anleitung zu y tawlbwrdd auf S. 4; abgerufen am 11. August 2026.
- National Museum of Ireland: „The Ballinderry Gaming Board“ — offizieller Museumsdatensatz zu NMI 1932:6533, Material, Raster und markierten Positionen; abgerufen am 11. August 2026.
- Digital Bodleian: Corpus Christi College Oxford MS 122 — offizielles Digitalisat der Handschrift; Alea evangelii auf fol. 5v, Erklärung auf fol. 6r–6v; abgerufen am 11. August 2026.
- Duggan, Eddie (2021): „A Game on the Edge: An Attempt to Unravel the Gordian Knot of tafl Games“, Board Game Studies Journal 15(1), 99–132 — wissenschaftliche Auswertung der Tafl-Überlieferung; zur Position des Diagramms unter den eusebianischen Kanontafeln, zur älteren Transkription Robinsons und zum Fehlen eigentlicher Spielregeln im Text; abgerufen am 11. August 2026.
- McNaughton, Drew: „Alea Evangelii Canon Tables“ — moderner experimenteller Ansatz zur Auswertung der Kanontafeln für eine spielbare Rekonstruktion; kein historischer Regelbeleg; abgerufen am 11. August 2026.
- Hall, Mark A. (2016): „Board Games in Boat Burials: Play in the Performance of Migration and Viking Age Mortuary Practice“, European Journal of Archaeology 19(3), 439–455 — Untersuchung unterschiedlich erhaltener Spielausstattungen in Bootsgräbern; abgerufen am 11. August 2026.
Verweise¶
- Glas-Spielstein „König“ aus Bj 750
- Spielsteine in der Ausstellung
- Hnefatafl-Brett im Inventar
- Glas-Spielstein „König“ im Inventar
